Die am längsten gereiste Flaschenpost

Seefahrt im Dienste der Wissenschaft
Im 19. Jh. gab die Deutsche Seewarte den Kapitänen deutscher Handelsschiffe eine leere Flasche und ein kleines vorbereitetes Formular mit, das – um das aktuelle Datum ergänzt – auf einer genau festgelegten Position in der gut versiegelten Flasche über Bord geworfen wurde. Die Finder dieser Flaschenposten wurden gebeten, die Zettel mit Fundort und Datum zu versehen und an die „Deutsche Seewarte“ in Hamburg zu schicken. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Flaschenpost irgendwo heil ankommt und gefunden wird, liegt nach Expertenmeinung im Durchschnitt bei zehn Prozent. Dennoch erhofften die Wissenschaftler durch ihre Auswertungen, den Weg der Flasche nachzuvollziehen und Aufschluss über die Meeresströmungen zu erhalten.

 

Flasche mit Findezettel. Quelle: Kym Illman

Lang, lang ist’s her
Am 21. Jänner 2018 entdeckte das australische Paar Tonya und Kym Illman am Strand von Wedge Island, rund 180 Kilometer nördlich von Perth, Australien, eine Flaschenpost der Deutschen Seewarte. Die Flaschenpost war vor 132 Jahren am 12. Juni 1886 von der deutschen Bark Paula rund 900 Meilen vor der australischen Küste zur Erkundung von Meeresströmungen dem südindischen Ozean übergeben worden. Diese Bouteille ist somit nicht nur die am längsten gereiste Flaschenpost, sondern auch ein schöner weiterer Beleg dafür, dass die Erkundung der Welten und Ozeane eine nautische war…

Quelle: Deutsches Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie BSH

Die Bark Paula. Quelle: Gemälde von Eduard Adam, Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser, Brake.

Seite aus dem meteorologischen Journal der Paula mit dem Eintrag vom 12. Juni 1886 „Stromflasche über Bord“. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Reiseroute der Paula vom 11. 3. 1886 bis 7. 1. 1887. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Tahsin Özen

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