Ihr Erfinder und CEO von Yacht-Pool, Dr. Friedrich Schöchl, erzählt im ocean7-Interview ganz persönlich, wie alles begann und was zum internationalen Erfolg führte.

Dr. Friedrich Schöchl, der Versicherungsexperte.

Herr Dr. Schöchl, Sie gelten als Erfinder der Allgefahrendeckung in der Yachtkasko-Versicherung, der Charter-Skipperhaftpflicht-Versicherung, der Charterkautions-Versicherung sowie einer Reihe anderer Deckungskonzepte für die besonderen Risiken der Skipper. Und seit einigen Jahren ist das Yacht-Pool-Label “Checked & Trusted” bei zahlreichen Charter-Agenturen und Charterveranstaltern zu sehen. Welche Botschaft ist damit verbunden, was darf der Charterer darunter verstehen?
Friedrich Schöchl: Dahinter steht neben dem sehr ernsthaften Hintergrund auch eine denkwürdige Geschichte. Es war vor 25 Jahren, als eine namhafte Charterfirma unerwartet und von einem Tag auf den anderen Pleite ging. Dabei stellte ich fest, dass tausende Skipper nichts ahnend ohne jeglichen Haftpflicht-Versicherungsschutz unterwegs waren, weil der Vercharterer die längst fälligen Prämien nicht bezahlt hatte. Leider verloren auch hunderte Skipper und Crewmitglieder, die ihre Charter noch gar nicht angetreten hatten, Ihre Anzahlungen.
Dieser Fall sollte nicht der Einzige bleiben, und ist nur eines der Beispiele, warum sich kein Skipper darauf verlassen kann, dass seine uneingeschränkte persönliche Haftung vom Versicherer des Vercharterers abgedeckt ist. Dieser Fall war zum Einen der Anlass zur Entwicklung der Skipperhaftpflicht-Versicherung und zum Zweiten Quell der Erkenntnis, dass Anzahlungen für Chartertörns oft ein halbes Jahr und länger vor dem Törn gutgläubig und ohne geringste Kenntnis der Bonität der Charter-Agentur oder des Vercharterers gemacht werden – und im Pleitefall in den Sand gesetzt sind.
Dieses Risiko für die Skipper ist heutzutage größer denn je: Ein-Mann-Charter-„Firmen“ sprießen überall aus dem Boden, eine bunte Webseite mit vielen Versprechungen ist schnell gemacht und selbst wer in den vergangenen Jahren schon im Charter-Markt aktiv war, droht womöglich im Strudel der Corona-Krise unterzugehen. Ein Risiko, das vom Charterer in keinster Weise zu beurteilen war und ist! Deshalb entwickelte ich seinerzeit den “Yacht-Pool Sicherungsschein”.

Archivbild um 1960: Friedrich Schöchl und Bruder Gottfried segeln eine selbstgebaute N72 auf dem heimatlichen Mattsee.

Segler sind bekanntlich der Tradition verbunden. Wie nahmen sie damals diese Neuerungen auf?
Skeptisch und zögerlich. Und das war auch verständlich. Denn ich kam mit einer Problemlösung, aber mit Ausnahme der unmittelbar Betroffenen des genannten Beispiels hatten die übrigen tausenden von Skippern und die noch größere Anzahl von Mitseglern keine Ahnung von der bestehenden Problematik und den damit verbundenen Risiken. Wenn man dann mit einer Problemlösung kommt, aber de facto so gut wie der gesamte Markt die Probleme überhaupt nicht wahrnimmt und damit gefühlt auch kein Problem hat, ist man schnell der einsame Rufer in der Wüste.
Es dauerte Jahre, und nur auf Grund spektakulärer und veröffentlichter Haftungsfälle setzte sich allmählich ein Problembewusstsein ein und in Folge auch die Skipper-Haftpflichtversicherung durch. Auch wenn heute – nach 25 Jahren – die Skipperhaftpflicht-Versicherung für die allermeisten Skipper eine Selbstverständlichkeit geworden ist, ist vielen Skippern das tatsächliche Ausmaß ihrer persönlichen Haftung gar nicht klar.

Nur auf Grund spektakulärer und veröffentlichter Haftungsfälle setzte sich die Skipper-Haftpflichtversicherung durch.

Der Verluste der Anzahlungen ist aber ein anderes Thema und hat wohl gerade in der gegenwärtigen Situation zu einem ziemlich starken Problembewusstsein geführt
Ja, dieses generelle Problem bestand wie erwähnt aber schon immer. In den 1990er-Jahren wurde deshalb für Reiseveranstalter eine Pflichtversicherung der Zahlungen für Pauschalreisen eingeführt. Für Einzelreisen und Mietverträge, wie dies beim Chartern der Fall ist, gibt es bis heute keine Verpflichtung für einen Insolvenzschutz – dessen ist sich ein großer Teil der Charterer nicht bewusst! Das Risiko des Verlustes der (An-)Zahlung war und ist für den Skipper und seine Crew allerdings dasselbe.
Deshalb entwickelte ich Anfang der 2000er den „Yacht-Pool Sicherungsschein“, der sich zwar am Sicherungsschein der Pauschalreiseveranstalter orientierte, aber sich trotzdem grundsätzlich unterschied. Denn es gab es einen essentiellen Unterschied zum Sicherungsschein für Pauschalreisen mit enormer Bedeutung für die Charterer und die ganze Branche: Die Sicherungsscheine wurden von uns nicht pauschal ausgegeben, sondern nur für Charter-Firmen, die bereit waren, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse offen zu legen und sich durch die jährliche Einreichung ihrer Bilanzen permanent überprüfen zu lassen. Damit konnte das Insolvenzrisiko für uns und unsere Kunden deutlich verringert werden. Allerdings nicht ganz verhindert – mit der Insolvenz von BluBalu erhielten wir unsere erste ordentliche Lektion.
Mehr als 700 Charter-Crews verloren ihr Geld, konnten aber glücklich aufatmen als sie feststellten, dass sie über den „Yacht-Pool Sicherungsschein“ abgesichert waren. Der Gesamtschaden betrug knapp eine Million Euro, die innerhalb von nur zwei Wochen an die Geschädigten von uns ausbezahlt wurden. Aus Schaden klug (zumindest klüger) geworden, haben wir danach unsere Bonitätsanforderungen deutlich verschärft und die Auswahl der Firmen für diese Bürgschaft, die von uns für die Charterer übernommen wurde, entsprechend auf vorbildliche Firmen beschränkt.

Große Namen – was blieb, ist Schall und Rauch…

Und das damals schon bekannte Logo „Yacht-Pool Zahlungsgarantie“ musste in den letzten Jahren dem neuen Label “Checked & Trusted” weichen. Wo ist der Unterschied?
Dieses Qualitätssiegel entstand aus einem sehr lustigen Part dieser Story, aber letztlich doch mit sehr ernsthaften Folgen. Vor einigen Jahren bekam ich einen Anruf eines erbosten Kunden, der dringend den Chef persönlich sprechen wollte und mir entrüstet mitteilte, dass er von Yacht-Pool nun sehr enttäuscht sei und seine nächsten Versicherungen auf alle Fälle bei einem Mitbewerber abschließen würde. Auf meine Frage, was wir denn konkret falsch gemacht hätten, beschwerte er sich darüber, dass das Schiff, das er in der Karibik übernommen hatte, derart verschmutzt war, wie er es von einem Vercharterer, der das Yacht-Pool-Logo für Zahlungsgarantie trägt, nicht erwartet hätte. Langsam begriff ich – und antwortete ich ihm, dass ich mich sehr geehrt fühle, dass er annimmt, dass wir in der Lage seien, rund um den Globus für die Sauberkeit der Schiffe zu sorgen. Aber das haben wir weder versprochen, noch sind wir tatsächlich dazu in der Lage.
Wir haben über diesen lustigen Vorfall intern sehr gelacht, aber dann kamen uns doch ernste Gedanken. Was hat uns dieser Kunde eigentlich gesagt? Er hat uns schlicht und einfach mitgeteilt, was in seinem Kopf war. Wir nahmen zur Kenntnis: Das ist unser Image, das ist die Erwartung, die dieser Skipper mit dem Namen Yacht-Pool verbindet! Und wenn er so denkt, so ist davon auszugehen, dass auch andere so denken wie er! Nun gab es für uns nichts mehr zu lachen, sondern es galt zu überlegen, wie wir diesem Image gerecht werden können.
Mit dem Ergebnis, dass wir unsere Anforderungen an die Firmen, die unser Logo zeigen wollten, deutlich über den Punkt der Bonitätsprüfung hinaus anhoben. Neben einer vernünftigen Bonität beobachten und beurteilen wir nun gleichwertig den gesamten Bereich der Serviceleistungen und das gesamte Geschäftsgebaren. Dazu zählen z.B. Verhaltensauffälligkeiten bei den Kautionseinbehalten, oder dem Kulanzverhalten bei Umbuchungen in der gegenwärtigen Situation und natürlich generell der Zustand der Schiffe und letztlich – so wie alles begann – auch die „Sauberkeit“ der Schiffe. Die sorgsame Beachtung der Hygienemaßnahmen kommt nun aufgrund der aktuellen Situation dazu.
In diesem Sinne änderten wir mit “Checked & Trusted” auch die Optik und die Aussage dieses erweiterten Qualitäts-Siegels unser geprüften Partner, das sich aus den genannten Gründen in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Orientierungshilfe der Charter-Skipper entwickelt hat.

Yacht-Pool – ein Pionier auf Erfolgskurs.

Sicher ist Ihnen nicht entgangen, dass es auch andere ähnliche Siegel auf dem Markt gibt?
Nein, ist es natürlich nicht. Aber die Bemühungen der Mitbewerber unterstreichen ja geradezu unsere Ideen! Ad hoc fällt mir jedenfalls überhaupt nichts ein, was es auf dem Gebiet der Kundenabsicherung im Charterbusiness an Innovationen gäbe, die nicht bereits von uns entwickelt worden sind. So gut wie alle unsere Innovationen, die wir im Yacht- und Charterbereich konzipiert und auf den Markt gebracht haben, wurden früher oder später kopiert.
Doch was unser Qualitätssiegel betrifft, so kenne ich niemanden, der sich so wie wir die aufwändige Arbeit antut, jährlich die wirtschaftlichen Zahlen der in- und ausländischen Charterfirmen einzuholen – und den Aufwand nicht scheut, sie zu überprüfen und zu beurteilen. Da es sich bei der Überlassung dieser Zahlen um äußerst sensible Daten handelt, ist ein exzellentes Vertrauensverhältnis Voraussetzung. Ich bin mir daher sicher, dass diese Daten auch nicht jedem in die Hände gelegt werden würden.

Fotos und Illustrationen:
Yacht-Pool

Alle Länder mit Yacht-Pool Niederlassungen (Stand: Juli 2020).

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