Was bei uns Waschbären und Grau­­hörnchen sind, sind im Mittelmeer Rotfeuerfische und Kugelfische: nicht einheimische Tierarten, die sich sehr erfolgreich im neuen Lebensraum ver­­mehren. Das Project Manaia setzt sich mit seinem Forschungsboot Independence den invasiven Spezies auf die Spur und versucht, Gegenmaßnahmen zu finden.

Der Sueskanal –  feierliche Eröffnung am 17. November 1869.

Der Sueskanal verbindet das Mittel- mit dem Roten Meer, und lange Zeit war das aufgrund des ursprünglichen Designs kein Problem. Ein Salzsee bildete eine Schleuse zwischen den beiden Meeren, eine unüberwindbare Barriere für Fische und andere potentielle Einwanderer. Nach ­vielen Ausbauten des Kanals war diese Hürde nun keine mehr, über 1.000 Tierarten fanden in unserem „Heimatmeer“ ihr ­neues Zuhause. Während viele der neuen Arten sich eine eigene Nische suchen und dort glücklich werden, stellen manche Spezies schon jetzt ein Problem für die ­heimischen Arten dar.

Der Rotfeuerfisch, wie er leibt und lebt. Wer ihn einmal gesehen hat, kann ihn kaum mit irgend etwas anderem verwechseln.

Schön, aber schmerzlich

Der Rotfeuerfisch z. B. wurde an den Küsten Griechenlands 2017 erstmals vermehrt gesichtet. Im Vorjahr meldeten Tauchbasen schon zwei bis fünf Rotfeuerfische pro Tauchgang und in dieser Saison waren Tauchgänge mit weniger als 40 Rotfeuerfisch-Sichtungen eine Seltenheit. So schön diese Tiere auch anzusehen sind, sie zeigen, wie dramatisch effektiv manche „Aliens“ bei der Vermehrung sind. Alle vier Tage legen diese Tiere Eier – bis zu zwei Millionen davon in einem Jahr! Die gelatineartigen Gebilde schwimmen an der Oberfläche und können sich an Treibgut, aber auch an Boote anheften und so noch über einen Monat lang ihren Ra­dius erweitern, bevor die Jungtiere schlüpfen. In vielerlei Hinsicht also der perfekte Eindringling in ein neues Gewässer. Und ein gefährlicher dazu.

An Bord bei Fischern in Griechenland. Die Ausbeute der Nacht: eine Handvoll Speisefische, zwei Rotfeuerfische und ca. 250 Kugelfische. Mit einer Unterwasser-Drohne werden auch in größeren Tiefen die neuen Einwanderer gefunden.

Kugelfische wirken so ganz ohne Stachel erstmal viel freundlicher. Dennoch bereiten auch sie an vielen Orten bereits Kopfschmerzen – vor allem der industriellen Fischerei. Mit ihren kräftigen Kiefern fressen sie nahezu alles, was ihnen vor das Maul schwimmt, vor allem aber Kalamari und kleinere Fische. Und auch wenn man als Schnorchler oder Taucher nur selten ein Exemplar zu Gesicht bekommt, haben viele Fischer bereits üble Erfahrungen mit ihnen gemacht. An der türkischen Mittelmeerküste rechnet man schon jetzt pro Speisefisch mit etwa 1.000 (!) Kugelfischen im Netz. Das Problem: Kugelfische sind für uns als Speisefisch absolut untauglich (abgesehen vom Fubu, der Sushi-Spezialität, die nur von wenigen Köchen zubereitet werden kann).

In den letzten beiden Jahren hat das Projekt Manaia aktive Helfer im ganzen Mittelmeer gesucht, um ein besseres Bild davon zu bekommen, wie weit sich diese beiden (und noch andere) invasiven Arten bereits im Mittelmeer verbreitet haben. Nicht zuletzt durch die Mithilfe von Seglern, Tauchern und Schnorchlern konnte bereits eine lange Liste von Sichtungen gesammelt werden.

Taucher bei der Datensammlung  – auf der Suche nach Rotfeuerfischen und anderen invasiven Arten.

Project Manaia ist eine österreichische Non Profit-Organisation, die sich aktiv für den Schutz der Meere einsetzt. An Bord ihres Forschungsbootes Independence segeln die Meeresbiologen Manuel und Pinar Marinelli im Dienste des Meeresschutzes durch das Mittelmeer.
www.projectmanaia.at

Den vollständigen Bericht über die Aliens und wie Segler aktiv mithelfen können, lesen Sie in der aktuellen ocean7-Ausgabe 2/2020  – Print-Ausgabe erhältlich im Abo, im ausgesuchten Einzelhandel und auf Bestellung in jeder Trafik. Und für alle unterwegs gibt’s das E-Paper für alle Geräte.

 

Aliens im Mittelmeer auf der Boot Tulln
Rotfeuer- und Kugelfische erobern den mediterranen Raum und verdrängen die heimischen Fischarten. Wie groß ist das Problem und was kann man auch als Wassersportler dagegen tun? Das verrät Meeresbio­loge Manuel ­Marinelli, Leiter des Project Manaia, in einem Vortrag am ocean7-Stand auf der Austrian Boat Show – Boot Tulln.

 

Sonntag, 8. März 2020, 14 Uhr
Halle 4, Stand 543

 

 

 

Fotos: Manuel Marinelli, Gernot Weiler, Shutterstock 

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