Alpe Adira Sailing Week

Von 19. bis 23. Mai ging die 13. Auflage der Alpe Adria Sailing Week ab der Marina Punat übers Wasser. Besonderes Highlight: Heuer wurde der Austria Cup zum 30. Mal ausgetragen. Dass auch diese von ocean7 medial begleitete Auflage dem Motto “Segeln unter Freunden” vollauf gerecht wurde, zeigt der folgende sehr persönliche “Erfahrunhgsbericht” von Eva Miersch, Crew-Mitglied des Skippers Klaus Florian.
Alle Crews und Ergebnisse der AASW 2019 am Ende des Artikels.

Der Barberholer
Text: Dr. Eva Miersch, Fotos: Dr. Udo Reichmann

Immer im Frühjahr, wenn die Schiffe ihren Weg zurück ins Wasser gefunden haben und der Wind beginnt, langsam den Kvarner Richtung Krk hinauf zu wehen, ist die Zeit gekommen. Wie Zugvögel aus dem Norden tauchen dann in Kroatien die Autos mit dem blauen A im Kennzeichen auf. Erleichtert strecken sich gequälte Rücken aus den sich öffnenden Wagentüren. Zu lange haben sie Zuhause in den Bergen warten müssen. Endlich werden aus den Alpenmenschen wieder Segler.
Sie sammeln sich am Steg der Marina Punat und danken den Überstellungscrews, die ihre Schiffe aus Jezera geholt haben. Die Tour soll beginnen, der Kampf um Sekunden, zwischen Start- und Ziellinien, verzögert nur von gelben Plastikbojen. Schnell sind Umlenkblöcke, Klettbänder, Tape und Stifte gezückt, um die weißen Boote in taugliche Racer zu verwandeln. Schon der Anblick der Spinnakersäcke, lässt die Herzen höher schlagen. Das Auspacken der Spischoten führt zu feuchten Händen der Vorschiffsleute, wissen diese doch, was die kleinen roten und grünen Leinen im Zweifelsfall für ein Theater veranstalten können. Und dann ist er da. Auf einzelnen Schiffen langsam beginnend, aber dann greift er nach und nach auch auf die anderen Schiffe über:
Der Barberholer Tanz

Wissen doch die meisten, wie diese drei Rollen mit ihrer grauen Leine an Bord zu befestigen sind. Entschlossen ergreift ein Crewmitglied das erste Teil. Es turnt über die rechte Winsch Richtung Want, verzögert, schaut wichtig und schielt insgeheim zur Backbord Seite. Die nicht vorhandenen Verdrehungen werden gelöst, in der Hoffnung die andere Seite möge schneller sein, nur um einen kurzen Erinnerungsblick zu erhaschen. Es wird beherzt niedergekniet, ein Splint gedreht, sich wieder aufgerichtet, verzögert, geschraubt, unter gleichzeitigem zarten Rufen nach der Zange. Inzwischen greift die Backbord Seite die Bewegungen auf, verändert die Abfolge und mündet auch hier in zarten Rufen nach der Zange. Meist wechseln sich hierbei Männchen und Weibchen ab, wobei zumeist das Weibchen schließlich beginnt, den Tanz abzubrechen und einfach zu fragen. Gemeinsam wird die Spischot eingeführt und alles findet sich wieder lachend im Cockpit vereint. Man hatte es ja eh gewusst.

Gespannt schweifen die Blicke hinaus aufs Meer, die Mooringleinen sind gefallen. Das Setzen der Segel, das freudige Gelächter an Bord, wenn endlich der Wind den Vortrieb übernimmt und der Motor verstummt. Die ersten Mannöver, die ersten Markierungen am Niederholer, das gemeinsame Schauen ins Segeltuch. Und dann folgt die Anspannung mit dem Spinnakerbaum. Langsam noch gleitet der Spinnaker am Mast empor, entfaltet sich zu seiner vollen Größe und der Wind treibt sein neues Spiel. Andächtiges Schweigen, wenn das Schiff sich aufrichtet und leise dahingleitet. Das Rauschen des Wassers am Bug, die Worte des Trimmers und das Schnurren der Winsch verhallen leise in der Ferne. Bis unausweichlich das Tempo an Bord Fahrt aufnimmt. „Klar zur Halse“. Nun ist es mit der Ruhe vorbei. Schlagartig beendet der Befehl das meditative Schweigen an Bord. Aktivismus greift um sich und das Training beginnt.

Plötzlich Ruhe auf der Kreuz
Das erste Frühstück, der erste Regattatag, die Nervosität, die Bauchschmerzen, der letzte Gang zur Toilette. Dann schließlich sieht man die Schiffe auf ihrem Weg hinaus, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, dem Startschiff folgend. Nervöses Umziehen an Bord, der Kampf mit den Uhren. Alle Blicke folgen dem Motorboot. Die Wahl der besseren Seite, das Lesen des Windes auf dem Meer, während die Augen die inzwischen gesetzten Bojen suchen.

Das Fünfminutensignal macht ernst. Feuchte Hände werden heimlich abgewischt, noch einmal wird tief durchgeatmet und schließlich rauschen auf allen Schiffen, wie auf ein geheimes Signal, die Focksegel aus. Die Motoren verstummen und das Schwirren der Schiffe an der Startlinie steigert sich mit der Beschleunigung der Zeit und der Enge des Raumes. Kommandos, Signale der Vorschiffsleute am Bug, die Hektik steigert sich, Schreie nach Raum hallen durch die Luft und dann, ganz plötzlich ist Ruhe auf der Kreuz. Die Crew hat sich auf der Kante gefunden, der Taktiker raunt dem Rudergänger das Geschehen zu. Die Regatta ist in vollem Gange. Vier Tage, wiederkehrendes Geschehen. Die Gelenke und Muskeln maulen hier und dort. Der Kopf ist müde. Das Warten auf den Wind, manchmal Quälerei. Und trotzdem möchte jetzt niemand mehr woanders sein.
Foto: Marina Punat

Fast unwichtig werden die Ergebnisse am Ende des Tages, angesichts des Erlebten. Fröhliches Lachen, Gratulation hier, mitleidiges Nicken dort, das erste Bier in der Marina Punat. Fotos im ocean7-Newsletter werden staunend betrachtet. Ist man selber zu sehen? Geschichten werden erzählt, neue geschrieben und doch ist alles immer wieder irgendwie gleich schön. Segeln unter Freunden in der Adria. Und im nächsten Frühjahr, wenn die Schiffe wieder ihren Weg zurück ins Wasser gefunden haben …
Alle Crews und Ergebnisse
Alpe Adria Sailing Week
Marina Punat

Eva Miersch

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