Von Schalentieren zu barem Geld war es in den 1970er-Jahren kein weiter Weg. In der Praxis natürlich schon, wie Wolfgang Hausner aus eigener Erfahrung berichtet. Für ihn war das Sammeln nicht nur Leidenschaft, sondern auch wichtige Einnahmequelle in den frühen Jahren seiner Weltumsegelung.

Angefangen hat mein Interesse für die Mollusken 1971 auf den Galapagos-Inseln, als ich dort Conus-­Schnecken für einen deutschen Wissenschaftler sammelte, die genau ­katalogisiert und in Alkohol konserviert werden mussten. Ich schickte ihm eine Schuhschachtel voller Präparate, er revanchierte sich mit einer Bezahlung und einem Bestimmungsbuch für Mollusken. Wenn ich der Einfachheit halber von „Muscheln“ rede, sind Schnecken und Muscheln gemeint, wobei die Schnecken zahlenmäßig bei weitem überwiegen. 

Das Sammeln von Muscheln und Schnecken hielt Wolfgang Hausner und seine Taboo in den 1970ern über Wasser. Hier liegen 3.000 Dollar auf dem Tisch.

Diese Tätigkeit nahm in den ­folgenden Jahren eine gewisse Vorrangstellung ein. In einer Gegend, die man noch nicht kennt, ist das umso interessanter, weil man nicht weiß, was es überhaupt zu finden gibt. Da geht es weniger um die häufigen Arten, sondern um jene Exemplare, die entweder selten oder nur begrenzt in einem ge­wissen Gebiet auftreten. In beiden Fällen handelt es sich dann um oft begehrte Sammelobjekte. 

Für mich war damals das Sammeln und Tauchen nach Muscheln eine Lieblingsbeschäftigung, die mich in frühen Jahren lange Zeit ­finanziell über Wasser gehalten hat. Eine Art von moderner Schatz­suche, bei der man wahrscheinlich mehr Chancen hat, fündig zu werden als in alten Wracks, die man erst aufspüren muss.

Ein Beispiel für eine schon ziemlich wertvolle bekannte Schneckenart ist die Gold-Kauri, die im Bereich der Fidschi-Inseln, Neuguineas und der Philippinen vorkommt. Der Liebhaber bezahlte für eine Schale in den 1970er-Jahren 200 US-Dollar, mittlerweile sind die Preise wegen Überangeboten drastisch gesunken. 

Doch der Status einer Muschelschale kann sich praktisch über Nacht ändern. So wie bei der kleinen Kauri Cypraea caput draconis, die nur auf der Osterinsel vorkommt. 1972 sammelte ich dort diese Porzellanschnecken, die ich in Tahiti mit Gewinn verkaufen oder gegen andere Schalen eintauschen konnte.

Bevor jetzt Umweltschützer die Augenbrauen hochziehen oder gar von einer Plünderung der Riffe sprechen, sollte man diese Tätigkeit genauer unter die Lupe nehmen. Eines der großen Riffe abzusuchen z. B. würde 25 Jahre in Anspruch nehmen – für das ganze Gebiet wären mehrere Menschenleben nicht ausreichend.

Das ist jetzt allerdings Jahrzehnte her. Seitdem hat sich meine Einstellung zu dieser Angelegenheit grundlegend geändert. Damals war ich auf diese Sammeltätigkeit angewiesen, heute bin ich es nicht mehr. Für ein paar Dollar möchte ich diese schönen Lebewesen nicht mehr umbringen, meine Gäste ­sehen das genauso. Die Schnecken werden an Ort und Stelle bewundert und sollten sie an Bord gebracht werden, gehen sie auch wieder zurück ins Wasser. Geblieben sind mir nur mehr einige Stücke, die mich an diese Zeit erinnern.

Wolfgang Hausner über die Blütezeit seiner Muschelsuche in der aktuellen ocean7-Ausgabe 5/2021  – Print-Ausgabe erhältlich im Abo, im ausgesuchten Einzelhandel und auf Bestellung in jeder Trafik. Und für alle unterwegs gibt’s das E-Paper für alle Geräte.

Wolfgang Hausner ist Weltumsegler, Schriftsteller und ocean7-Autor. Derzeit weilt er mit seiner Taboo III, einem 18-Meter-Katamaran, auf den Philippinen und bietet individuelle Mitsegel-gelegen-
heiten an.
www.wolfgang-hausner.com

Fotos: Wolfgang Hausner, Shutterstock, privat

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