Aus heiterem Himmel

Rund 250 Blitzschäden werden jährlich bei Pantaenius abgewickelt – Tendenz steigend. Grund genug, sich mit dem Thema „Blitzschutz“ eingehender zu beschäftigen.

Während die Anwendung von Blitzschutzanlagen zum Beispiel für Gebäude weit verbreitet ist, steckt sie in der Sportschifffahrt noch in den Kinderschuhen. Anders als in der Berufsschifffahrt oder bei Großyachten, die nach Klasserichtlinien gebaut werden, verfügen Serien­­yachten in der Regel über keinen speziellen Schutz. Verbindliche Normen und Richtlinien für Blitzschutzanlagen auf Yachten gibt es nicht. Es liegt also am Eigner selbst, sich um entsprechende Schutzvorrichtungen zu kümmern.
„Der Blitzschutz für eine Yacht ist ein sehr komplexes Thema, das viel Fachwissen voraussetzt“, so Putlitz-Lürmann. „Es gibt zwar Fach­literatur aus den verschiedensten Bereichen, aber eine effektive Nachrüstung auf Yachten ist immer schwierig, aufwendig und unter Umständen sehr kostenintensiv.“
Da Yachten heute mit umfangreicher Navigationselektronik und Bordtechnik ausgestattet sind, kann sich die Investition trotzdem lohnen. „Hatten vor 20 Jahren viele Eigner nur wenig elektronische Ausrüstung an Bord, sind die Yachten heute vollgestopft mit Hightech wie GPS, Seekartenplotter, AIS, Radaranlagen, Autopilot, Satellitenkommunikation, Fishfinder und vielem mehr. Das Verheerende: Zumeist sind viele oder gar alle Geräte über ein Bussystem miteinander verbunden. Bei einem Blitzeinschlag kann der Blitzstrom durch das gesamte Netzwerk rauschen
und sämtliche Geräte beschädigen“, schildert der Schadenexperte von Pantaenius, der schon zahlreiche Blitzschäden begutachtet hat.
Nicht nur die technischen Geräte sind gefährdet. Auch strukturelle Schäden am Boot bis hin zum Totalverlust können die Folge sein. Ein Blick in die Schadenstatistik verdeutlicht die Problematik: zwischen 2010 und 2019 ist die durchschnittliche Schadensumme für Blitzschäde um rund 40 Prozent angestiegen.

 

Wie lässt sich ein solches Szenario entschärfen?
Gängige Blitzschutzanlagen leiten den Blitzstrom im Falle eines Einschlags über das stehende Gut sowie das Mastprofil in den Kiel, von wo aus er ins Wasser gelangt. Während dies aufgrund des Fara­­day‘schen Käfigprinzips bei Alu- und Stahl­yach­ten ein relativ kleines Problem darstellt, wird es bei Holz- und GFK-Yachten schon schwieriger.
Eine einfache, aber eher behelfsmäßige Lösung ist ein System aus Kupferleitern und Klemmvorrichtungen, die am Mast, an den Wanten und Stagen befestigt werden können. Die freien Enden der Kabel werden ca. 1,50 Meter tief ins Wasser gehängt, um den Blitz dorthin abzuleiten. Theoretisch logisch, ein umfassender Schutz kann hiermit aber nicht gewährleistet werden. Das Verhalten eines Blitzes ist sehr komplex – er teilt sich, schlägt über und kann sogar aus dem Wasser zurück an Bord gelangen. Hinzu kommt die Gefahr eines Blitzschadens von außen, z. B. über den Landstromanschluss im Hafen.

 

Fazit
Wer einen effektiven, umfassenden Blitzschutz für seine Yacht will, sollte bei Neubauten und bei Nachrüstung von Gebrauchtbooten einen Fachmann zu Rate ziehen. An erster Stelle steht jedenfalls die Sicherheit für Leib und Leben: Bei nahendem Gewitter gilt es deshalb, Folgendes zu beherzigen:
· Möglichst nächsten Hafen oder eine schützende Bucht anlaufen
· Badende raus aus dem Wasser
· Angelrouten einholen
· Möglichst unter Deck gehen, andernfalls nicht an Deck stehen, sondern tief mit geschlossenen Beinen ins Boot (Cockpit) hocken, Schuhe mit Gummisohlen
· Keine Metallteile berühren
· Landstromverbindung trennen
· Hauptschalter ausschalten, wenn möglich Netzstecker und Antennenstecker von elektrischen und elektronischen Geräten ziehen, ebenso Kabelverbindungen zu Empfängern am Masttop trennen

Blick in die Zukunft
Ein neu entwickeltes System aus den USA zielt darauf ab, den Blitzeinschlag in eine Yacht durch Ionisierung der Luft in Masttophöhe gänzlich zu verhindern, anstatt den Blitzstrom lediglich abzuleiten. In Europa sind diese Geräte derzeit jedoch noch nicht erwerbbar. Umfängliche Tests stehen noch aus.

Mehr Infos zum Thema Prävention und Versicherungsschutz:
www.pantaenius.at

Axel zu Putlitz-Lürmann,
Leiter der Pantaenius-Schadensabteilung

 

Fotos: Shutterstock, Pantaenius | Illustration: Pantaenius

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