Darüber gibt es unter einigermaßen bewanderten Blauwasserseglern wohl kaum einen Zweifel: Der „worst case“ ist Frau/Mann über Bord. Der zweitschlimmste Fall ist wohl die Aufgabe der Yacht.
Nun ist es ja nicht so, dass an Bord einer Langfahrtyacht auf hoher See ständig Crewmitglieder an Deck sind, die darauf lauern, einmal ein schulmäßiges Mann-über-Bord-Manöver fahren zu können. Vielmehr ist es der Regelfall, dass eine Person an Deck ist und unten niemand mitbekommt, dass dieser – meist ist es ja ER, der beim Pinkeln an der Reling rausgeschleudert wird – im  Wasser ist und entgeistert der davonsegelnden Yacht nachsieht. Falls der Unfall doch bemerkt wird, hat der Mann im Wasser auch kaum bessere Karten. Bis man sich vom ersten Schrecken erholt hat, sind schon ein paar überlebenswichtige Momente vergangen. Dann müssen erst die Selbststeueranlage ausgekuppelt und der Bullenstander losgeschmissen werden und schließlich müssen die Segel runter. Mit fast hundertprozentiger Sicherheit hat die Yacht dann soviel Strecke zurückgelegt, dass der Verunglückte nicht mehr ausgemacht werden kann, nachts sowieso nicht. Und damit ist er, außer Landsicht, mit größter Wahrscheinlichkeit verloren. 

Nun zum zweitschlimmsten Fall – der Aufgabe der Yacht

Nein, ich rede hier nicht vom Deutschen Lüchtenborg, der sich von seiner 16-Meter-Aluyacht in den brüllenden Vierzigern abbergen ließ, um sie für ein paar Tage auf dem offenen Ozean alleine zu lassen. Er hatte ja von vorneherein die Absicht, wieder auf sie zurückzukehren. Ein Sonderfall! Gemeint ist die Aufgabe der Yacht für immer, wenn sie dabei ist, unterzugehen oder abzubrennen. Es ist schön und beruhigend, dass es immer wieder Fälle gibt, in denen Retter (oft unter Einsatz des eigenen Lebens, meist kostenintensiv, wenn ein Großer den Kurs ändern muss) auf hoher See herbeieilen oder -fliegen, um zu helfen. Nur leider kommt es auch vor, dass eine Yachtbesatzung die ­Situation falsch einschätzt und eine heile Yacht aufgibt, obwohl dies – objektiv und rückblickend gesehen – gar nicht notwendig gewesen wäre. Einerseits missbrauchen sie dann die Hilfsbereitschaft von Menschen, andererseits lassen sie ein treibendes (und unbeleuchtetes) Seefahrtshindernis zurück.

Yacht sinkt? Aufgeben!

Gewiss, vom sicheren Ankerplatz aus lässt sich vortrefflich richten. Aber Gedanken machen darf man sich da wohl: Zum Beispiel im Fall der finnischen Yacht Serena, die von ihrer Mannschaft, Arja und Henrik Hankalahti, nahe der spanischen Nordwest-Küste im Juni 2013 „aufgegeben“ wurde. Und dann führerlos ein halbes Jahr später in West­indien treibend aufgetaucht ist. Die Frage, die hier wohl jeder mit ein paar Seemeilen auf dem Buckel stellen wird, ist die nach dem Grund der Flucht von Bord. Die Mannschaft berichtet, dass eine zwanzig (?) Meter hohe Welle die Aufbauten beschädigte, das Mittelcockpit überschwemmte und zwei Rettungswesten über Bord spülte, sodass nur eine übriggeblieben war. Anschließend versagte auf dem Segelschiff(!) die Elektronik. Punkt?
Da ist nirgendwo die Rede davon, dass beide Crewmitglieder ernsthaft gesundheitlich gefährdet waren oder dass die Yacht am Sinken war (was sie ja bewiesenermaßen niemals war). Schließlich ist die gute Yacht ein halbes Jahr allein auf dem Atlantik herumgesegelt. Es ist ja nicht so, dass innerhalb von wenigen Sekunden entschieden werden muss – von Ausnahmen abgesehen: Was mit der deutschen Yacht Olehoop geschehen ist, weiß niemand. Aber nachdem ihre aktivierte Epirb – und sonst nichts – vor Kap Hoorn gefunden worden war, kann man davon ausgehen, dass deren Untergang, selten genug, eine Sache von Sekunden gewesen ist.
Man lehnt sich gewiss nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man im Fall der finnischen Serena konstatiert, dass das Herbeirufen der Retter und das Verlassen der Yacht überflüssig waren.

Warum es zu dieser (im Normalfall sehr teuren) Fehlentscheidung gekommen ist, was man hätte anders machen können und ob man sich auf eine solche Situation überhaupt vorbereiten kann, verrät Bobby Schenk in der aktuellen Ausgabe von ocean7 2/2020 – Print-Ausgabe erhältlich im Abo, im ausgesuchten Einzelhandel und auf Bestellung in jeder Trafik. Und für alle unterwegs gibt’s das E-Paper für alle Geräte.

Bobby Schenk – Weltumsegler, Navigations-Experte und Buchautor.

Die ideale Fahrtenyacht
Die Seglerlegende Bobby Schenk lebte insgesamt acht Jahre an Bord und weiß daher ­genau, was eine Langfahrt­­yacht „lebenswert“ macht. In seinem Vortrag „Die ideale Fahrten­yacht“ gibt er dieses Wissen spannend aufbereitet weiter. Wer übrigens auf der Messe ein neues ocean7Abo abschließt, erhält ein von Bobby Schenk signiertes Exemplar seiner „Skipperfibel“ gratis!

Donnerstag, 5. März 2020, 11 Uhr
Freitag, 6. März 2020, 11 Uhr
Samstag, 7. März 2020, 11 Uhr
Sonntag, 8. März 2020, 11 Uhr (Vortrag mit Michael Menard)

Halle 5, Stand 543

Fotos: Gernot Weiler, Shutterstock

Diesen Artikel teilen