Bora-Blues und bunte Inseln | ocean7

Ab Dubrovnik über Koločep bis Sušac: Insel-Hopping in Süddalmatien ist nicht nur landschaftlich und kulinarisch, sondern auch seglerisch ein Hochgenuss – mit einer kräftigen Prise Salz und Pfeffer bei Schwarzer und Weißer Bora.

Harald schwärmt gerne von jenen Zeiten, als er, zusammen mit drei Freunden, auf einem 26 Fuß langen Boot durch Dalmatiens Inselwelt segelte. Jawohl, segelte! 
Denn der Außenborder hing ­damals nur am Heck, um leichter längsseits an die Mole in einem ­Fischerhafen gehen zu können.
Was war das für ein Ereignis! Der halbe Ort lief zusammen, um einmal eine „Yacht“ zu sehen. Die Konobas waren urig und unaufgeregt, Speisen und Weine ­authentisch. 

Nun, Jahrzehnte später, ist er mit an Bord, als ich einen 42-Fuß-Katamaran aus der ACI Marina hi­naus in den Fluss Ombla bugsiere. Als man sie plante, waren Schiffsbreiten von acht Metern noch un­bekannt, entsprechend eng ist das Fahrwasser zwischen den Stegen. Unter der Dubrovnik-Brücke motoren wir noch durch, dann setzen wir die S­egel nahe jener Mole, an der bereits ein Kreuzfahrtschiff liegt. 
Seine Passa­giere stürmen das ­mittelalterliche Dubrovnik, dessen durch Doppelwälle ­geschützte Festung einst als unbezwingbar galt. Auf unserem Törn­plan aber stehen vor allem die Buchten abseits der touristischen Ströme.  

Von der Marina ins Meer führt der Weg über den Fluss Ombla und unter der Brücke durch. Sipan (Abb. rechts) war einst auch Zufluchtsort vor Piratenangriffen auf Dubrovnik.

An der kurzen Hafenmole von Žuljana liegt zwar schon eine Yacht, die Bucht haben wir jedoch für uns allein. Dass unser Kat kein Flautenläufer ist, haben wir auf dem Schlag hierher bemerkt; es brauchte schon einiges an Wind, um ihn zum Laufen zu bringen. Dafür verwöhnt er uns vor Anker mit einem Komfort, den uns keine Monoyacht bieten kann. 

Wir genießen die Ruhe in der Bucht, richten uns ein und machen uns mit dem Schiff vertraut. Moderater SW-Wind schiebt uns am nächs­­ten Tag nach Korčula. Dessen Altstadt ist zwar zu schön, um ­ein­­fach so an ihr vorbeizusegeln, doch diesmal soll es aus Zeitgründen einfach nicht sein. Pržina hingegen schon. Auch wenn der Wind in die Bucht steht. Da der Kat den Schwell ignoriert, bleiben die Kaffeetassen auf dem Tisch. Der Wetterbericht sagt für den Nachmittag stark auffrischenden Wind voraus, daher binde ich ein Reff ins Groß. Der Himmel ­voraus bleibt strahlend blau. Wer schaut da schon viel zurück? 

Zu spät bemerken wir die tiefschwarze Wand hinter dem Heck. Nie hätte ich geglaubt, dass sie so schnell näher kommt …

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Scrivena Luka – eine ebenso schöne wie gut geschützte Bucht im Süden Lastovos.

Fotos: Christian v. d. Hecken, Zebra-Studio/Shutterstock.com

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