1893. Die 14 Brionischen Inseln sind mit Macchia zugewachsen und Malaria-verseucht. Paul Kupel­­wieser schreckt das nicht ab – er erwirbt die Inselgruppe und will gestalten – und das macht er mit gewaltigem finanziellem Einsatz und ­visionärem Gedankengut.

Brijuni-Archipel, Istrien, rd. 5 nm nordwestlich von der Marina Veruda Pula, wo mit Pitter Yachtcharter und Trend Travel & Yachting gleich zwei österreichische Unternehmen eigene Charterbasen betreiben.

Ursprünglich im Besitz einer portugiesischen Familie waren die 700 ha Landfläche verwahrlost und von Steinbruch-Schutt übersät, da sich Venedig mit Baumaterial von diesen Inseln versorgt hatte. Die Inselvegetation wurde als Brennholzquelle verwendet, nur wenige Menschen lebten auf der Hauptinsel Brioni, da der Aufenthalt im Malaria-verseuchten Gebiet als äußerst gefährlich galt. 

All das schreckte Kupelwieser nicht ab. Zitat: „Ich hatte durchaus den Eindruck, es könnte bei Aufwand von ein wenig Verstand, Geduld, natürlich auch von immerhin größeren Geldmitteln gelingen, diese Erdscholle gesund, fruchtbar und in seiner Vegetation auch sehr schön zu gestalten.“ Er sollte recht behalten.

Byzantinisches Castrum – bei Erdarbeiten stieß man auf antike Mauerreste. In der Bucht Dobrika an der Westküste Brionis sind eindrucksvolle Ausgrabungen zu sehen. Die Funde aus der Zeit der Römischen Republik und des Kaiserreiches, der Spätantike, der Ostgoten, von Byzanz, der Zeit der Karolinger und Venedigs zeugen von langjähriger Besiedlung. Foto rechts: Die originelle Form und die liebevolle Gestaltung des Bootshauses gehen auf den Architekten und Otto-Wagner-Schüler Eduard Kramer zurück.

Man pflanzte rund 10.000 Bäume, ­gestaltete sanfte Waldlandschaften, geschwungene Wiesenflächen, Promenadenwege und stimmungsvolle Alleen. Der Schutt der Steinbrüche wurde abtransportiert, stattdessen wurde fruchtbarer Boden für Viehzucht, Feldbau, Wein- und Obstgärten aufgebaut. Neben den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden für die Angestellten entstand die nötige ­Infrastruktur für die touristische Nutzung der Hauptinsel. Das erste Hotel-Hallenbad Europas entstand, gefüllt mit beheiztem Meerwasser. Für die Anreise auf die Insel wurde der Bau eines Schiffes in Auftrag gegeben, das mit ­einem Dieselmotor angetrieben werden sollte, eine absolute Weltneuheit! 

Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand verbrachte mit Familie viel Zeit auf Brioni. Die Insel gefiel ihm so gut, dass er sie kaufen wollte. Mehrere der von Kupelwieser errichteten Gebäude wurden durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das Fährschiff Brioni wurde als erstes Passagierschiff der Welt von einem Dieselmotor angetrieben.

Die Verwirklichung ­dieses Projekts und die wechselvolle Geschichte von Brioni/Brijuni faszinieren bis heute, als österreichischer Besucher verfällt man in dieser ruhigen und friedlichen Atmo­­sphäre leicht in nostalgische Träumereien und gedenkt mit Ehrfurcht des Schöpfers dieser Landschaft. 

Paul Kupelwieser wollte mit Brioni etwas wirtschaftlich Erfolgreiches und Schönes gestalten – zumindest Letzteres ist ihm gelungen. Die von ihm beauftragte und von Alois ­Zuffar gestaltete Insellandschaft ist jetzt, gut 120 Jahre nach der Pflanzung von tausenden Bäumen, wohl schöner als je zuvor. Ein Geschenk Kupelwiesers an uns alle …

Staatsgäste von Marschall Tito brachten lebende Geschenke mit, die noch heute in einem neun Hektar großen Safaripark leben. Das Alter des Olivenbaumes (Foto Mitte) wurde auf etwa 1.600 Jahre geschätzt. Damit ist er wahrscheinlich einer der ältesten Oliven-Bäume des Mittelmeerraumes. An mehreren Stellen der Insel finden sich gut erhaltene Fußabdrücke von eindrucksvoller Größe. Es waren Dinosaurier, die vor etwa 100 Millionen Jahren hier auf großem Fuß über weiches Substrat wanderten.
Heute, 127 Jahre nach dem Kauf und dem Beginn der Pflanzungen, sind die Inseln schöner als je zuvor. Paul Kupelwieser, Schöpfer dieses Paradieses, verstarb bereits 1919 und konnte sein Werk in dieser vollkommenen Schönheit nie sehen. 

Die wortwörtlich naheliegendste Art und Weise, den Nationalpark Brijuni im Süden Istriens auf eigenem Kiel zu erkunden, ist die per Charteryacht ab Pula, das in Relation zu anderen Nationalparken doch eher kleine Naturjuwel bietet eine erstaunliche Fülle an verschiedenen Aktivitäten an. Der Nationalpark verfügt über zwei Liegeplätze für den nautischen Tourismus. Der moderne Hafen der Hauptinsel Veliki Brijun bietet Muringplätze für Yachten bis 55 m Länge. Alternativ (und etwas abgeschiedener) kann man in der Uvala Sveti Nikola am Südufer der Insel Mali Brijun festmachen. Anmeldung an der Rezeption des Hotels „Neptun“ im Hafen Veliki Brijun ist in jedem Fall Pflicht.

Die Hotels „Neptun“ und „Istra“ erstrahlen in abendlicher Beleuchtung. Davor die Fähre, die zwischen Brijuni und der istrianischen Küste verkehrt. Im mondänen Hafen des Nationalparks Brijuni findet
man in der Nebensaison immer ein freies Platzerl.

Wie das Brijuni-Archipel die exklusivste Urlaubsdestination der Habsburgermonarchie wurde, berichtet Dr. Reinhard Kikinger in der aktuellen ocean7-Ausgabe 3/2020  – Print-Ausgabe erhältlich im Abo, im ausgesuchten Einzelhandel und auf Bestellung in jeder Trafik. Und für alle unterwegs gibt’s das E-Paper für alle Geräte.

Fotos: Reinhard Kikinger, Kurt Pinter

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