Nun hat Covid19 auch den österreichischen Weltumsegler Wolfgang Hausner erreicht. Trotz Polizeischikane hat es der ocean7-Autor auf den Philippinen gerade noch rechtzeitig vor dem Shutdown in die Bucht von Carmen geschafft, aber lesen Sie selbst…

Wir waren gerade in Malapascua, nördlich von Cebu und segelten nach Calangaman, eine Insel die wir schon vor einer Woche besucht hatten. Schon aus der Entfernung bemerkten wir ein Fehlen der üblichen Touristenboote, die normalerweise Ausflügler von der nahen Stadt Palompon rüberbringen. Wir hatten also die Insel für und alleine, aber nur aus der Entfernung, denn wir durften nicht an Land gehen. Das Aufsichtspersonal fing den Mitsegler Benedikt ab und klärte ihn auf, als er den Strand erreichte. Wir konnten aber weiterhin dort ankern und bleiben. Damit hatte uns Covid19 endlich eingeholt. Die Insel stand ebenso unter Quarantäne wie auch Leyte, wo wir demnächst hinwollten.

Taboo III, der 18-m-Katamaran von Weltumsegler Wolfgang Hauser, vor der Insel Calangaman, Philippinen.

Als wir in den Hafen von Palompon einliefen und kaum den Anker gefallen war, kamen auch schon mehrere Coast Guard Offiziere in einem Auslegerboot an. Die erste Meldung war: Wir dürfen nicht an Land, die ganze Insel Leyte ist abgeriegelt und es darf niemand mehr rein oder raus. Ich hielt fest, dass wir Wasser und Lebensmittel benötigten. Kein Problem, die Küstenwache beauftragte den Eigner des Bootes, alles Benötigte zu besorgen. Also reichten wir zehn leere Kanister und die etwas reduzierte Einkaufsliste von Loida rüber. Zwischenzeitlich wurden die Schiffspapiere und alle Pässe abfotografiert, alles in freundlicher Atmosphäre.
Eine Stunde später wurde das Wasser und die Einkäufe geliefert, wir segelten ab. In der Nacht ankerten wir vor der Insel Ponsen und am nächsten Tag ging es weiter nach Daquio, unserem eigentlichen Ziel. Dort kam eine Abordnung von Polizisten in einem größeren Schlauchboot längsseits und erklärte uns recht unfreundlich, dass wir hier weder ankern noch bleiben konnten.

Coast Guard an Bord. Nur die Küstenwache hat was auf dem Wasser zu sagen, nicht aber die Polizei.

Sie waren extra die acht Meilen von Inopacan auf Leyte hergefahren, nachdem wir gemeldet worden sind. Es war bereits Nachmittag und hatte ich keine Lust, gleich wieder einen längeren Schlag zu machen. Mein Vorschlag, die Insel erst am nächsten Morgen zu verlassen, wurde schroff abgelehnt. Also segelten wir ab, allerdings nur zwei Meilen weiter zu nahen Insel Mahaba, wo wir außer Sicht ankerten.
Das Coast Guard Boot war inzwischen wieder gegen den Wind nach Leyte geprescht. Am Abend war plötzlich ein Auslegerboot neben uns und man quatschte etwas von einer Warnung, die wir nicht befolgt hatten. Das beachtete ich nicht, denn die Situation begann mich zu ärgern. Nur die Küstenwache hat was am Wasser zu sagen, nicht aber die Polizei, die uns im besten Fall den Landbesuch verwehren konnte. Momentan waren wir sicher, aber höchstwahrscheinlich würden sie in der Früh erbost ankommen und dieses Mal einen echten Radau machen.
Die Polizei auf den Philippinen ist nicht dein Freund und Helfer, sondern meist gefürchtet in der Bevölkerung. Viele Gewalttaten, Morde und Drogendeals gehen auf ihr Konto, sie glauben nämlich tun und lassen zu können wie es ihnen beliebt, was im Prinzip leider auch stimmt. Aber dazu gab ich ihnen keine Zeit, mit der aufgehenden Sonne hinter uns segelten wir nach dem Westen und waren bald außer Reichweite.

Die Polizei auf den Philippinen ist nicht dein Freund und Helfer, sondern meist gefürchtet.

In Santiago auf den Camotes hatten wir keine Probleme, aber zur Sicherheit eine Story parat: Wir waren vor zehn Tagen von Carmen abgesegelt und hatten nur die Camotes besucht, die ein Teil der Provinz von Cebu sind. Zwei Tage später rutschen wir unbehelligt in die Bucht von Carmen. Nicht ganz so gut ging es zwei anderen Yachten, die nach ihrer Ankunft jeweils in Bohol und Palawan mit Quarantäne belegt wurden, die Crew durfte nicht an Land.
Mittlerweile sind die Bestimmungen viel strenger. Fähren zwischen Inseln verkehren nicht mehr, der Flugverkehr ist bis auf wenige Ausnahmen eingestellt, öffentliche Verkehrsmittel sind stark eingeschränkt, alle Geschäfte geschlossen, es gilt ein Ausgangsverbot ab neun Uhr abends. In den Supermärkten haben Personen älter als 65 Jahre keinen Zutritt mehr. Zum Glück habe ich Loida, sie erledigt jetzt die Einkäufe.
Wir werden noch einige Wochen in Carmen bleiben, momentan können wir nirgendwo anders hinsegeln ohne dort Probleme zu bekommen. Aber irgendwann im Mai wird sich die Situation vielleicht gebessert haben und wir können zu unserem Alltag unter Segeln zurückkehren.

wolfgang-hausner.com

Diesen Artikel teilen