Von Gottfried Titzl Rieser

Jedes Mal das Gleiche: Du kommst hundemüde in der Marina an, immerhin bist du schon um Mitternacht losgefahren, damit du dem Stau an der Grenze entgehst. Es ist heiß, deine Crew sitzt bereits beim Begrüßungsdrink und der Stützpunkt-Mitarbeiter begleitet dich durchs Schiff.

Er ist in Eile, denn die anderen Skipper warten auch schon auf ihn. Schnell, schnell muss es gehen: „Du kennst die Positionen der Ventile?“, „Die Toiletten funktionieren prima“, „Segel sind neu, alles gut“, „Maschine dobro, nema problema“, „Ganz wichtig: Code für WiFi ist 1234“.
Du unterschreibst die Check-in-Liste, obwohl du die Hälfte davon gar nicht überprüft hast (wie gesagt, es ist heiß und du möchtest auch deinen Begrüßungsdrink bestellen). Du hinterlegst die Kaution, bekommst die Schiffspapiere, alles gut, der Törn kann beginnen.

Während des Törns kommst du dann drauf, was alles nicht passt, was nicht funktioniert: Wo ist der Verbandskasten? Wo ist der Ankerball? Ein Splint an der Reling ist ­gebrochen – die Kneifzange ist ja völlig verrostet und nicht zu ­gebrauchen.
Der Urlaubstörn ist viel zu schnell zu Ende, er war fantastisch, die Crew ist relaxt. Du machst beim Stützpunkt fest und das Procedere wie am ersten Tag beginnt, nur in umgekehrter Reihenfolge: Es ist heiß, die Crew sitzt beim Abschiedsdrink und der Stützpunktmitarbeiter begleitet dich durchs Schiff. 
Aber plötzlich hat er sehr viel Zeit, obwohl die anderen Skipper auch auf die Schiffsabnahme warten. Zielgerichtet geht er auf die Decksluke zu: „Da ist ein Sprung im Glas.“ Er beugt sich über die ­Reling: „Da sind Kratzer im Gelcoat.“ Der Taucher prustet aus dem Wasser: „Die Yacht hatte Grundberührung.“
Du stehst fassungslos daneben, bringst den Mund nicht mehr zu und denkst dir, welcher Film da gerade abläuft. Im Marina-Büro beginnt nun der Kampf um die hinterlegte Kaution – Ausgang ­ungewiss.

Genauigkeit bei der Schiffsübernahme erspart Ärger bei der Schiffsübergabe.

Fairplay vom Start weg
Natürlich ist mir und der p. t. Leserschaft bewusst, dass die geschilderten Aspekte etwas überzogen sind und wenn schon, dann höchstens Einzelfälle darstellen. Aber mit wem immer ich auch über das ­Thema spreche, jeder hat diese, ähnliche oder andere Erlebnisse zu berichten. Und bevor sich jetzt die geballte Wut der Stützpunkt-Mit­arbeiter über mich entlädt, ­beeile ich mich zu beteuern, dass es garantiert andere und positive Er­lebnisse beim Check-out gibt.
Was kannst du also tun, um nicht abgezockt zu werden und in eine Fairplay-Situation zu kommen?

• Mach möglichst viele Fotos, um den Zustand der Yacht (Rumpf, Deck, Segel, Interieur etc.) zu dokumentieren.
• Sei bei den Checklisten exakt und gründlich.
• Nimm deinen Co-Skipper oder ein Crewmitglied beim Check-in mit, vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei.
• Führe eine Mängelliste mit Datum und Uhrzeit – der Stützpunkt wird es dir danken, weil er ja zielgerichtet reparieren kann.
• Verwende eine eigene Checkliste, damit jene Dinge, die dir wichtig sind, nicht unter den Tisch fallen.
• Notiere den Namen des ­Stützpunktmitarbeiters, damit eine Verbindlichkeit ­hergestellt wird.
Unterschreibe nicht blanko, gerade Feedbackbögen diver­gieren oftmals von den Erleb­nissen.
Dokumentiere allfällige ­Schäden, das hilft auch bei der Schadensregulierung der Versicherungen.
Informiere deinen Verchar­terer (Agentur, Veranstalter) über deine Erlebnisse, auch über positive, das hilft den Partnern garantiert.

Gottfried Titzl Rieser ist Ausbildungsreferent des Yacht Club Austria. Er ist passionierter Fahrtensegler und hat insgesamt so um die 20.000 Seemeilen in seinen Logbüchern dokumentiert. Sein Motto: „Die See ist der beste Lehrmeister!

Fotos: Shutterstock, privat

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