Doppelconférence

Sie zählen zur Weltspitze im internationalen Segelbusiness und sind Paradebeispiele für die vielzitierten „hidden Champions“. Christian Peer und Arthur Thüringer zogen von heimischen Seen aus und eroberten im letzten Jahrzehnt die Weltmeere. Ocean7 hörte zu und zeichnete auf.

 

Ocean7: Wie war euer erster Kontakt mit dem Segelsport, wie seid ihr mit Segeln in Berührung gekommen?

Christian Peer: Eigentlich ganz typisch österreichisch: als Kind mit den Eltern in Kroatien im Rahmen von Urlaubstörns. Später habe ich erstmals als Mitarbeiter der Traunseewoche Regattaluft geschnuppert.

Arthur Thüringer: Am Bodensee, mit dem kleinen Kajütboot der Familie. Wir sind im Sommer rund um den See gesegelt. Ich habe schon als Baby Zeit am Boot verbracht.

 

OC7: Vom Sport zum Business – was war dafür ausschlaggebend, wie hat sich das entwickelt?

CP: Aktiver Regattasegler war ich eigentlich nie. Ich wurde als Projektleiter für die internationalen Events im Rahmen der Traunseewoche engagiert. Also die RC44 und GC32-Tourstoppps in Österreich. Das war gleichzeitig mein Eintritt in die America’s Cup Szene. Seit 2010 war ich dann bei jedem Cup-Event dabei, meine Reputation waren meine Aktivitäten am Traunsee. Jetzt, nach vier Cups, bin ich nach all den Änderungen rund um Ausrichter und Organisationsteams nun der letzte, der im Team verblieben ist. Und entsprechend der einzige, der fliegende Mono- und Multihulls erlebt.

AT: Naja, bei mir war es eigentlich eine klassische, heimische Segelsportkarriere. Über die Jugendklassen Opti und 420er ins 470er-Nationalteam. Dann, nach Beendigung meiner aktiven Karriere, Trainer und Projekt-Mitarbeiter im Segelverband. Ich bin eigentlich durch Zufall, durch die Vermietung eines Trainer-Motorbootes ins Business „gestolpert“. Es hat sich schnell herausgestellt, dass es da mehr Bedarf gibt. Dann habe ich kurz entschlossen ein Geschäftsmodell entwickelt. Höhepunkt war dann 2017 ebenfalls der America’s Cup in Bermuda, da hatte ich über 30 Boote im Einsatz… .

 

OC7: Wo seid ihr aktuell engagiert?

CP: Zuletzt war ich in die Entwicklung von Star Sailors League und Nations Cup involviert. Dazu unterstützen wir die Kieler Woche im Sponsoring. Und natürlich auch noch einige Projekte außerhalb des Segelsports. Vor allem im Rad- und Motorsport sind wir da jetzt sehr umtriebig.

AT: Wir konzentrieren uns mit dem Motorboot-Support in dieser Saison auf die TP52 Super Series sowie die RC44 Tour. Insgesamt mit einer Flotte von insgesamt 24 Booten. Dazu gibt es seit zwei Jahren mit „Ropes Experts“ eine „high class Manufaktur“ im Leinen- und Schotenbereich für Robeline. Die beruflichen Wurzeln im Olympischen Segelsport haben wir natürlich nicht vergessen, aber wir gehen den Teil jetzt sehr konzentriert an, kümmern uns logistisch um mehr oder weniger alle Belange diesbezüglich für einige der Übersee-Teams, wenn sie durch Europa touren.

  

OC7: Gibt es gemeinsame Projekte bzw. Schnittstellen?

CP: Also wir haben so etwas wie eine gemeinsame Vergangenheit. Wir sind beide über Christian Feichtinger und seine Agentur „profs“ in die internationale Segelszene gehievt. Er hat da vom Traunsee ausgehend wirklich viel bewegt.

AT: Dann sind wir uns natürlich immer wieder über den Weg gelaufen. Irgendwo zwischen den schönsten Segelrevieren in Europa und natürlich zuletzt auf den Bermudas, beim America’s Cup 2017. Dort habe ich die schon erwähnte Motorboot-Flotte bereitgestellt.

CP: Genau, Arthur hat die Rahmenbedingungen für Sicherheit und Ordnung am Wasser rund um die Race Area geschaffen, ich war am Land für das Eventvillage und das Entertainment-Programm zuständig, war auch noch Ansprechpartner für die AC-Teams.

 

OC7: Themenwechsel. Wie seht ihr die Entwicklungen im internationalen Segelsport? Gerne natürlich durch die rot-weiß-rote Brille betrachtet.

CP: Das Grundproblem liegt in erstarrten Strukturen auf internationaler Verbandsseite. Es kommen ständig neue Klassen & Events dazu, es fehlt für außenstehende einfach der Überblick. Die Flut an Welt- und Europameisterschaften verhindert den Fokus. Es wäre ein radikaler Schnitt nötig, weil sich Ressourcen, Aufmerksamkeit- und letztendlich auch das eingesetzte Geld auf immer mehr verteilt. Damit bleibt für alle zu wenig übrig.

Der AC gibt den Weg technologisch vor, der Weg in die Breite wird dann – wie im Motorsportbereich – gesucht. Das wird aber noch viel zu langsam umgesetzt, die Entwicklungen kommen viel zu langsam beim „normalen Segler“ an. Die Top-Events im Segelsport sind absolute Extremsportgeschichten, die Aufmerksamkeit generieren, aber nicht breitensporttauglich sind.

AT: Der Segelsport im Allgemeinen ist einfach für eine Massenverbreitung aus finanziellen Gründen nicht möglich. Auch das olympische Segeln ist zu einem Elitensport geworden, es ist aus rein organisatorischen Gründen zu einer finanziellen Materialschlacht geworden.

Die schnellen, foilenden Kats/Tris haben ihre Berechtigung im absoluten Spitzensport, für eine Breite Maße ist das aber nicht anwendbar. Das ist sowohl vom Handling als auch ganz banal vom Platzbedarf her nicht möglich.

 

OC7: Das bedeutet konkret?

CP: In den nächsten 5 – 6 Jahren werden Formate wie die Star Sailors League (SSL) und ihre Athletenorganisation das best-practice Beispiel,  auch für das Internationale Olympische Committee werden. Davon bin ich überzeugt. Nicht nur, weil ich bei der Entwicklung der SSL engagiert war.

AT: Verliert der Segelsport den Olympischen Status, dann kann das durchaus auch einen reinigenden Prozess auslösen. Es wird zu viel Augenmerk immer auf die Klassen und Boote gelegt, also letztendlich das Material. Aus meiner Sicht geht es aber um Formate und Organisation. Von der Verbandsstruktur her wird eine radikale Hinwendung zur athletischen Sichtweise nötig.

Persönlich sehe ich die Zukunft in den jetzt boomenden Liga-Formaten, wo der Segler hinkommt und sich auf gleichem, bereit gestelltem Material mit den anderen besten der Welt misst.  

OC7: Danke für das Gespräch!

Sie zählen zur Weltspitze im internationalen Segelbusiness und sind Paradebeispiele für die vielzitierten „hidden Champions“. Christian Peer und Arthur Thüringer zogen von heimischen Seen aus und eroberten im letzten Jahrzehnt die Weltmeere. Ocean7 hörte zu und zeichnete auf.

 

Ocean7: Wie war euer erster Kontakt mit dem Segelsport, wie seid ihr mit Segeln in Berührung gekommen?

Christian Peer: Eigentlich ganz typisch österreichisch: als Kind mit den Eltern in Kroatien im Rahmen von Urlaubstörns. Später habe ich erstmals als Mitarbeiter der Traunseewoche Regattaluft geschnuppert.

Arthur Thüringer: Am Bodensee, mit dem kleinen Kajütboot der Familie. Wir sind im Sommer rund um den See gesegelt. Ich habe schon als Baby Zeit am Boot verbracht.

 

OC7: Vom Sport zum Business – was war dafür ausschlaggebend, wie hat sich das entwickelt?

CP: Aktiver Regattasegler war ich eigentlich nie. Ich wurde als Projektleiter für die internationalen Events im Rahmen der Traunseewoche engagiert. Also die RC44 und GC32-Tourstoppps in Österreich. Das war gleichzeitig mein Eintritt in die America’s Cup Szene. Seit 2010 war ich dann bei jedem Cup-Event dabei, meine Reputation waren meine Aktivitäten am Traunsee. Jetzt, nach vier Cups, bin ich nach all den Änderungen rund um Ausrichter und Organisationsteams nun der letzte, der im Team verblieben ist. Und entsprechend der einzige, der fliegende Mono- und Multihulls erlebt.

AT: Naja, bei mir war es eigentlich eine klassische, heimische Segelsportkarriere. Über die Jugendklassen Opti und 420er ins 470er-Nationalteam. Dann, nach Beendigung meiner aktiven Karriere, Trainer und Projekt-Mitarbeiter im Segelverband. Ich bin eigentlich durch Zufall, durch die Vermietung eines Trainer-Motorbootes ins Business „gestolpert“. Es hat sich schnell herausgestellt, dass es da mehr Bedarf gibt. Dann habe ich kurz entschlossen ein Geschäftsmodell entwickelt. Höhepunkt war dann 2017 ebenfalls der America’s Cup in Bermuda, da hatte ich über 30 Boote im Einsatz… .

 

OC7: Wo seid ihr aktuell engagiert?

CP: Zuletzt war ich in die Entwicklung von Star Sailors League und Nations Cup involviert. Dazu unterstützen wir die Kieler Woche im Sponsoring. Und natürlich auch noch einige Projekte außerhalb des Segelsports. Vor allem im Rad- und Motorsport sind wir da jetzt sehr umtriebig.

AT: Wir konzentrieren uns mit dem Motorboot-Support in dieser Saison auf die TP52 Super Series sowie die RC44 Tour. Insgesamt mit einer Flotte von insgesamt 24 Booten. Dazu gibt es seit zwei Jahren mit „Ropes Experts“ eine „high class Manufaktur“ im Leinen- und Schotenbereich für Robeline. Die beruflichen Wurzeln im Olympischen Segelsport haben wir natürlich nicht vergessen, aber wir gehen den Teil jetzt sehr konzentriert an, kümmern uns logistisch um mehr oder weniger alle Belange diesbezüglich für einige der Übersee-Teams, wenn sie durch Europa touren.

  

OC7: Gibt es gemeinsame Projekte bzw. Schnittstellen?

CP: Also wir haben so etwas wie eine gemeinsame Vergangenheit. Wir sind beide über Christian Feichtinger und seine Agentur „profs“ in die internationale Segelszene gehievt. Er hat da vom Traunsee ausgehend wirklich viel bewegt.

AT: Dann sind wir uns natürlich immer wieder über den Weg gelaufen. Irgendwo zwischen den schönsten Segelrevieren in Europa und natürlich zuletzt auf den Bermudas, beim America’s Cup 2017. Dort habe ich die schon erwähnte Motorboot-Flotte bereitgestellt.

CP: Genau, Arthur hat die Rahmenbedingungen für Sicherheit und Ordnung am Wasser rund um die Race Area geschaffen, ich war am Land für das Eventvillage und das Entertainment-Programm zuständig, war auch noch Ansprechpartner für die AC-Teams.

 

OC7: Themenwechsel. Wie seht ihr die Entwicklungen im internationalen Segelsport? Gerne natürlich durch die rot-weiß-rote Brille betrachtet.

CP: Das Grundproblem liegt in erstarrten Strukturen auf internationaler Verbandsseite. Es kommen ständig neue Klassen & Events dazu, es fehlt für außenstehende einfach der Überblick. Die Flut an Welt- und Europameisterschaften verhindert den Fokus. Es wäre ein radikaler Schnitt nötig, weil sich Ressourcen, Aufmerksamkeit- und letztendlich auch das eingesetzte Geld auf immer mehr verteilt. Damit bleibt für alle zu wenig übrig.

Der AC gibt den Weg technologisch vor, der Weg in die Breite wird dann – wie im Motorsportbereich – gesucht. Das wird aber noch viel zu langsam umgesetzt, die Entwicklungen kommen viel zu langsam beim „normalen Segler“ an. Die Top-Events im Segelsport sind absolute Extremsportgeschichten, die Aufmerksamkeit generieren, aber nicht breitensporttauglich sind.

AT: Der Segelsport im Allgemeinen ist einfach für eine Massenverbreitung aus finanziellen Gründen nicht möglich. Auch das olympische Segeln ist zu einem Elitensport geworden, es ist aus rein organisatorischen Gründen zu einer finanziellen Materialschlacht geworden.

Die schnellen, foilenden Kats/Tris haben ihre Berechtigung im absoluten Spitzensport, für eine Breite Maße ist das aber nicht anwendbar. Das ist sowohl vom Handling als auch ganz banal vom Platzbedarf her nicht möglich.

 

OC7: Das bedeutet konkret?

CP: In den nächsten 5 – 6 Jahren werden Formate wie die Star Sailors League (SSL) und ihre Athletenorganisation das best-practice Beispiel,  auch für das Internationale Olympische Committee werden. Davon bin ich überzeugt. Nicht nur, weil ich bei der Entwicklung der SSL engagiert war.

AT: Verliert der Segelsport den Olympischen Status, dann kann das durchaus auch einen reinigenden Prozess auslösen. Es wird zu viel Augenmerk immer auf die Klassen und Boote gelegt, also letztendlich das Material. Aus meiner Sicht geht es aber um Formate und Organisation. Von der Verbandsstruktur her wird eine radikale Hinwendung zur athletischen Sichtweise nötig.

Persönlich sehe ich die Zukunft in den jetzt boomenden Liga-Formaten, wo der Segler hinkommt und sich auf gleichem, bereit gestelltem Material mit den anderen besten der Welt misst.  

OC7: Danke für das Gespräch!

Fotocredits: CST / dapic.rocks

Arthur Thüringer im Juni 2017 auf einem seiner “Coachboats” in den “Great Sounds” vor Bermuda im America’s Cup Einsatz.
Christian Peer zur gleichen Zeit an Land, im Cup-Village. Um auf den Bermudas ein Auto zu lenken, muss man einen eigenen Führerschein machen. Verständlich, angesichts der Straßenverhältnisse sowie des landesüblichen Fahrstils… .
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