Gedanken während der Zeit zu Hause und mit Sehnsucht nach Meer.

Zuerst einmal der Versuch der Zusammenfassung des „großen Bildes“: Meine seglerische Karriere begann im Jahr 1985, also vier Jahre vor dem Fall des „Eisernen Vorhanges“. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Regatta im ungarischen Teil des Neusiedler Sees. Das gesamte österreichische Optimist-Team traf sich vor dem Grenzübergang, wurde an der Grenze von der „Rendőrség“, also der ungarischen Polizei, abgeholt und zunächst ins Hotel in Sopron eskortiert. Blaulicht inklusive. Am nächsten Morgen ging es in der Früh – ebenfalls mit Blaulicht-Eskorte – nach Fertőrákos in den Segelclub. Das Procedere wiederholte sich bis zur gemeinsamen Ausreise am Sonntagabend. 

Die rot-weiß-rote Optimist-Flotte im Jahr 1985 beim Grenzübergang Klingenbach am Weg zum “Ramovil Cup” nach Fertőrákos. (Foto: privat)

Am Weg durch die sportlichen „Instanzen“, also Junioren-Nationalteam und Nationalteam,  begleitete mich eine Entwicklung bis zum Ende meiner aktiven Karriere: die Grenzen öffneten sich und die Welt wuchs immer enger zusammen. Die ersten Reisen zu Trainingslagern nach Nord-Spanien waren geprägt von unkalkulierbaren Zwischenstopps an den diversen Grenzstationen zwischen Wien und Barcelona. Sowie den Versuchen, bis zu fünf Währungen für Tank-, Snack- und Mautstopps in den entsprechenden Geldbörsen unter Kontrolle zu behalten. Bis kaum zehn Jahre später der Weg ohne Grenzbalken und nur mit Euro in der Tasche zu absolvieren war. 

Was das alles mit der aktuellen Situation zu tun hat? Naja, mein älterer Sohn ist genau in dem Alter, in dem ich im gelben „Kadett“ bei Klingenbach auf der Rückbank gesessen bin. Und so, wie es aussieht, erleben sie die Geschichte – aber eigentlich rückwärts. Das ist nicht nur auf die weltweite Virus-Krise zurückzuführen. Aber sie scheint die Tendenzen der letzten Jahre in Richtung Re-Nationalisierung und – zugegeben bis dato größtenteils nur sehr sanfte – Reisebeschränkungen zumindest zu beschleunigen. Denn eine Rücknahme der teils sehr drastischen Maßnahmen quer durch Europa, die steht für uns gelernte Demokraten und grenzenlos bewegenden Segler ja außer Zweifel. 

Ob der immer weiter ausufernde Massentourismus mit Schuld an einigen der angesammelten Problemen der – vor allem so genannten ersten – Welt ist, darüber gilt es noch ein wenig weiter nachzudenken. 

Titelfoto: Steindy/Wikipedia

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