Kroatien und Slowenien haben ihre Grenzen für EU-Bürger wieder geöffnet. Doch wie offen ist Österreich?

Ergänzung zu meinem Kommentar von gestern, 17. Mai (siehe weiter unten):
Gestern hatte ich noch kund getan, dass die österreichischen Reiserestriktionen gegenüber Slowenien und Kroatien – die ihre Grenzen für Österreicher geöffnet haben, unfair sind. Und schon heute (18.5.) präsentiert uns Slowenien die Rechnung dafür: Ohne triftigen Grund können österreichische Staatsbürger ab sofort nicht mehr nach Slowenien einreisen!
Vorgeschichte: Während Slowenien am Freitag grünes Licht für Einreisende aus Österreich gab, ließ das österreichische Innenministerium wissen, dass die Einreise aus Slowenien beschränkt bleibe. „Wir wünschen uns Gegenseitigkeit. Wir wollen keinesfalls, dass eines unserer Nachbarländer mit politischen Einschränkungen Slowenien diskriminiert und Reisenden aus größeren Ländern die Einreise ermöglicht, aus einem südlichen Nachbarland aber nicht“, ließ Regierungssprecher Jelko Kacin heute wissen.

Gerade sitzt er für Slowenien im Zuge einer von Deutschland moderierten Videokonferenz gemeinsam mit Spanien, Italien, Griechenland, Kroatien, Portugal, Malta, Zypern und Bulgarien an einem Tisch, um mögliche Rahmenbedingungen für einen grenzüberschreitenden Tourismus abzustecken. Auch Österreich ist dabei – und könnte vieles (wieder) gut machen.

Das kroatische Innenministerium bestätigt, dass ab sofort (17. 5.) Urlauber aus allen EU-Ländern wieder nach Kroatien einreisen dürfen – als Urlaubsbeweis genügt beispielsweise ein Chartervertrag, eine Hotelbuchung oder eine Bestätigung über eine vereinbarte Urlaubsreise bzw. andere touristische Aktivitäten im Land. Für eine Einreise aus privaten Gründen ist z.B. ein Eignerbrief (Bootseigner) oder ein Grundbuchauszug (Immobilienbesitzer) vorzulegen. Ist nicht klar, ob ein offizieller Einreisegrund besteht, kann im Vorfeld beim kroatischen Innenministerium per E-Mail an uzg.covid@mup.hr um Auskunft ersucht werden.
Am Freitag (15.5.) öffnete Slowenien seine Grenze zu Österreich, somit steht der individuellen Anreise an die Adria mit dem eigenen Auto nichts mehr entgegen.

Die Heimreise nach Österreich könnte jedoch zum Spießrutenlauf werden. Am Samstag (16.5.) um Mitternacht hat Österreich hat zwar in Vorarlberg alle Grenzübergänge (Liechtenstein, Schweiz, Deutschland) ohne fixe Kontrollen wieder geöffnet. Wer aber als Österreicher aus diesen Ländern einreist oder seinen Wohnsitz in Österreich hat, muss per ärztlichem Zeugnis bei stichprobenartigen Kontrollen beweisen, dass er SARS-CoV-2 negativ ist. Das Attest darf bei der Einreise nicht älter als vier Tage sein. Alternative: die hinlänglich bekannte 14-tägige Heimquarantäne. 
Das gilt vorerst auch für das Nachbarland Slowenien (und Kroatien-Flieger), an der österreichischen Grenze zu Slowenien wird zudem noch ausnahmslos kontrolliert. Mit extrem langen Wartezeiten bei der Einreise nach Österreich ist also zu rechnen – doch sind diese wirklich nötig? Slowenien (1.466 Bestätigte, 104 Tote) und Kroatien (2.226 Bestätigte, 95 Tote) haben vorbildliche Referenzen, was Österreich (16.167 Bestätigte, 629 Tote) nun auch anerkennen sollte.

Foto: SeaHelp.

Geht es nach einer Meldung von SeaHelp (15.5.), so ist es zu Pfingsten soweit: „Mit dem 31. Mai endet nachderzeitigem Stand für österreichische Bürger die Quarantäne-Verpflichtung nach der Rückkehr aus dem Ausland. So will es die Rechtsvorschrift für Maßnahmen bei der Einreise aus Nachbarstaaten in der Fassung vom 15.5.2020 (BGBl 195/2020).“
Bleibt zu hoffen, dass spätestens bis dahin wirklich Schluss ist mit den Restriktionen bei der Rückkehr nach Österreich – und der Schuss nicht nach hinten losgeht. So hat beispielsweise das tschechische Innenministerium bereits klargestellt, dass der generelle Einreisestopp für Urlauber noch länger bestehen bleiben wird.

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