Eiskalt am Wind

Die Eisarschregatta des Lübecker Yacht-Clubs (LYC) ist eine Institution. Seit 50 Jahren geht es jeweils am ersten Samstag im Dezember auf der Wakenitz vor dem LYC-Clubhaus um die Trophäe, sofern Wind und Wetter das zulassen. Bisher war der Eisarsch eine klar definierte Männer-Domäne, denn laut Ausschreibung durften nur männliche Segler ab einem Alter von 25 Jahren für die Kultregatta in Optimisten melden. Doch damit ist jetzt Schluss. Wenn am 7. Dezember der Startschuss zu der 51. Auflage fällt, dann werden erstmals auch offiziell Frauen mit dabei sein. Das Votum der LYC-Mitgliederversammlung auf einen Antrag der Eisarschgilde steht zwar noch aus. Doch das wird als reine Formsache angesehen. Zudem soll das Teilnehmer-Alter auf 21 Jahre herabgesetzt werden. Und der Andrang auf die Startplätze ist groß. Vier Wochen vor dem Ereignis stehen schon über 50 kälteerprobte Sportler in der Liste, darunter vier Frauen.

 

Das Starterfeld der Eisarschregatta auf der Wakenitz vor Lübeck

Wider der Tradition
Organisiert wird die Regatta von der „Eisarschgilde“, einer Teilorganisation des 1898 gegründeten Lübecker Yacht-Clubs, der mit seinen über 800 Mitgliedern und mit all seinen Aktivitäten zu den führenden Segel-Clubs in Deutschland zählt. Viel Tradition also, und Tradition war es wohl auch, die bislang die Teilnahme von Frauen an der Regatta verhinderte. Den Sinneswandel erklärt Regatta-Organisator Jan Stemmler so: „Die Frage, ob wir bei den Teilnahmebedingungen von der Tradition abweichen sollten, wurde seit einigen Jahren in unterschiedlichen Kreisen mehrfach diskutiert. Es geht um Stichworte wie Alleinstellungsmerkmal, Tradition, sinkende Mitgliedszahlen, sinkende Teilnehmerzahl, Konkurrenzveranstaltungen, verändertes Freizeitverhalten, Konkurrenzbedingungen unter den Seglern und mehr oder weniger Spaß mit erweiterten Teilnehmerfeld, um nur einige zu nennen.“

Die Segler werden es heuer erstmals mit kälteresistenten Seglerinnen als Konkurrenz zu tun haben

Norddeutscher Humor
Beim Nenngeld könnten die teilnehmenden Damen einen Vorteil haben – das Startgeld wird nämlich nach dem Startgewicht ermittelt. Pro kg Körpergewicht werden 0,25 € erhoben. Das Startgewicht setzt sich zusammen aus dem individuellen Nettogewicht und der Bekleidung, mindestens einer Badehose. Der Wiegevorgang findet im Freien statt.

Auch einige andere Teilnahmebedingungen weißen norddeutschen Humor auf. So dürfen Woll- und Steppdecken sowie Federbetten aus Sicherheitsgründen nicht mit ins Boot genommen werden. Wärmflaschen und Heizkissen müssen mindestens nach dem Vorbereitungsschuss aus dem Boot entfernt werden. Das Betreten der Boote mit Skistiefeln ist verboten. Bei Schneetreiben dürfen geeignete Schutzbrillen getragen werden. Humorlos ist man hingegen beim Thema Sicherheit. So herrscht beispielsweise Schwimmwestenzwang! Das Nichtanlegen führt unweigerlich zum Ausschluss.

Adventschmuck am Opti ist erlaubt, das Mittführen von Woll- und Steppdecken dagegen nicht

51. Eisarschregatta

Fotos: © segel-bilder.de

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