Gestrandet in der Karibik – jetzt macht sich “Sisi” auf den Weg in Richtung Heimat.

Aufgrund der Corona-Krise saß die Crew vom „The Austrian Ocean Race Project“ (TAORP) mit ihrer Rennyacht VO65 „Sisi“ wochenlang in der Karibik fest. Nach wochenlangem Insel-Hüpfen mit Hürden „repatriiert“ sich die Crew mit dem Schiff selbst und verhilft sechs gestrandeten Seglern aus der EU zur Heimkehr. Nach freiwilliger 14-tägiger Quarantäne vor der niederländischen Karibik-Insel St. Marteen erfolgte am vergangenen Samstag der Start der 20-tägigen Atlantiküberquerung. Zielhafen ist Scheveningen in den Niederlanden. Die Leitung an Bord von “Sisi” zieht dabei der erst 20jährige Oliver Kobale, sein drei Jahre älterer Bruder Konstantin zog mit TAORP-Mastermind Julian Kircher aus Kärnten alle notwendigen Fäden zur Rückkehr. Und das waren gar nicht wenige, wie der ältere Kobale-Bruder am Telefon versichert. “Vor allem die behördlichen und diplomatischen Angelegenheiten haben uns eine gute Woche voll beschäftigt. Aber auch so Banalitäten wie eine Lieferung aus dem Supermarkt zur unter Quarantäne befindlichen Yacht erledigten wir aus der Heimat.”

Große Verantwortung für den erst 20jährigen Oliver Kobale. Er schippert “Sisi” zurück nach Europa. Unterstützung kommt dabei aus Kärnten, von seinem drei Jahre älteren Bruder Konstantin.

Von Anfang an…

Ab Anfang Februar befand sich das  Team des „The Austrian Ocean Race Project“ für die karibische Regattasaison in der Karibik, zuletzt auf der Insel St. Maarten in der Hauptstadt Philipsburg. Mitten in den Vorbereitungen auf die nächste Regatta, dem BVI Spring Cup im März, wurden sie von der Corona-Krise „kalt“ erwischt. Eine Regatta nach der anderen wurde abgesagt und auch die Crewmitglieder, die für die Regatten anreisen sollten, hatten keine Möglichkeit mehr, von Europa in die Karibik zu kommen. Das TAORP-Team stand vor der Herausforderung die in der Karibik verbliebene Crew zu schützen und nach Österreich zu holen sowie das Boot zu sichern. „Während der Großteil des Teams noch rechtzeitig vor den Reiserestriktionen heimfliegen konnte, blieben zwei Mitglieder freiwillig vor Ort“, so Julian Kircher.

Mit der Sisi kommen auch sechs gestrandete Europäer aus der Karibik wieder nach Hause.

Schwierige Organisation der Rückreise von Mannschaft und Schiff nach Europa

 „Es war keine Option, unsere „Sisi“ unbeaufsichtigt zurück zu lassen“, betont Teammitglied Oliver Kobale, der mit Crewmitglied und Dokumentarfilmer Micky Montoya an Bord blieb. Der Hintergrund: Der Neupreis einer VO65-Yacht wie der „Sisi“ beträgt 6,5 Millionen Euro. Diebstähle von „alleinstehenden“ Yachten durch „Piraten der Karibik“ sind bis heute ein Risiko. „Nach dem sich nach wenigen Tagen auch herausstellte, dass es Monate dauern wird, bis die Reiserestriktionen gelockert oder aufgehoben werden, war es klar, dass wir auch unsere letzten Crewmitglieder aus Sicherheitsgründen heimholen,“ betont Julian Kircher. Zu zweit natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, doch mit sechs weiteren gestrandeten Seglern aus EU-Ländern konnte das “Unternehmen Heimkehr” angegangen werden. Mit dem Einsammeln der Mannschaft von den Inseln erfolgte eine freiwillige 14-tägige Quarantäne der Crew, die neben Kobale und Montoya aus drei Niederländern, einem Esten und weiteren zwei Österreichern besteht. „Die Gesundheit der Segler steht an oberster Stelle. Wir haben eine ausgezeichnete Bordapotheke, die ärztliche Versorgung ist über das Sattelitentelefon sichergestellt. Trotzdem kann eine Krankheit bei jeder Atlantiküberquerung große Komplikationen verursachen“, betont Julian Kircher. Gerechnet wird mit einer rund 20-tägigen Heimfahrt. “Oliver setzt mit “Sisi” zum zweiten Mal zur Atlantiküberquerung an. Bei der Letzten waren mehr als doppelt so viele Segler und Gäste an Bord, die eingesammelten Seglerinnen und Segler sind jedoch allesamt “sturmerprobt” und Verfügen über sehr viel Erfahrung.”

Was wie eine traumhafte Urlaubsroute aussieht, bietet im April 2020 aufgrund der Corona-Krise wohl Stoff für einen mehrteiligen Abenteuerroman.

„Wir sind alle sehr dankbar, dass alle überhaupt nach Europa zurückkommen dürfen. Schon den Zielhafen auszumachen war nicht einfach. Aber im Gegensatz zu den europäischen Südstaaten haben die Niederlande als eines der weniger Länder in Europa die Grenzen für Yachten offen gehalten und eine Rückkehr ermöglicht“, freut sich Julian Kircher. Der Weg zurück nach Europa kann über https://www.ocean-racing.at/tracker.html live mitverfolgt werden.

Die bunt zusammengewürfelte Crew an Bord der “Sisi”. Nicht im Bild, weil hinter der Kamera: Medienmann Mickey Montoya.

Fotos: The Austrian Ocean Race Project




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