Gute, böse Greta

Wo ihre Fans stehen (nämlich freitags auf den Straßen), ist bekannt. Was ihre Gegner über sie sagen, ist – gelinde gesagt – bedenklich.
Wobei „Die ist ja krank, ­Asperger-Syndrom und so …“ oder „Die soll lieber in die Schule gehen …“ noch die harmloseren Kommentare quer aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten sind. Nicht wenige von ihnen meiner Generation zu­­ge­hörig (könnten also Greta Thunbergs Eltern sein), die kein gutes Haar an den schlichten Zöpfen der Teenagerin lassen wollen.

Unter ihnen also so manche, die in ihrer Jugend auch als Revoluzzer zu den Hits von z. B. Jim Morrison, Kurt Cobain oder ­Nina Hagen getanzt haben. All diese Idole waren depressiv oder eben anders und für viele (Eltern) daher „krank“. Unter ihnen auch welche, die ein bis zwei Schultage in ihrem Leben geschwänzt haben dürften und vielleicht lieber ein Buch im Park lesen als „another brick in the wall“ werden wollten. Somit war man in bester Gesellschaft mit z. B. Thomas Mann, Franz Kafka oder Friedrich Torberg – auch sie hatten mit dem Schulsystem ihre schwere Not.
Warum lieben und liebten wir all diese prägenden Persönlichkeiten, die uns das Tragische im Menschen so deutlich vor Augen führten? Weil sie uns das Gefühl gaben, dass „die“ Schuld sind und nicht wir. Darum musste auch gegen ­„deren System“ rebelliert werden, wir waren bzw. sind ja die Guten!
Aber warum nehmen nun gar nicht so wenige von uns eine gar so feindliche Haltung gegenüber Greta Thunberg ein? Weil wir jetzt „die“ sind. Und weil Greta – und das macht sie so besonders – unverhohlen mit dem Finger auf uns alle zeigt und sagt, dass wir „Dreck“ am Stecken haben, für den ihre Generation – also unsere Kinder und Enkelkinder – nicht büßen will. Und dass wir verdammt noch mal endlich etwas dagegen ­unternehmen sollen. Jetzt!


Während wir des sauren Regens, der Abholzung des Regenwaldes (Dauerbrenner) oder der Atomkraft („… nein danke“) wegen damals ein bissl auf den Busch geklopft und irgendwann einmal aufgegeben haben, donnern ihre Buschtrommeln innerhalb eines Jahres fast überall auf der Welt (ja, auch dank neuer Medien, die wir nicht hatten). Viele feiern Greta Thunberg daher als Heldin, andere halten sie für scheinheilig, laut und nervig. Vielleicht ist sie aber einfach nur ein Mädchen, dass genauso ­gehört und mit Respekt behandelt werden möchte wie jede andere 17-jährige Tochter auch.

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Foto: Shutterstock

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