Horst Kainz über Sinn und Unsinn eines Holding Tanks: Vierzehn Jahre hat es gedauert, bis er endlich seinen sich durch Schwerkraft entleerenden Holding-Tank ausgebaut und entsorgt hat.

 

Wenn das Ablassventil für zwei bis drei Tage in Bucht oder Hafen geschlossen war, Schwebstoffe durch die Schwerkraft absanken und trotz Einbau eines E-WCs (siehe ocean7-Ausgabe 5/2017) eine Verstopfung des Auslasses verursachten, war spätestens beim nächsten Stopp (Hafen oder Bucht) wieder einmal ein Tauchgang mit langem Kabel oder Relingdraht zum Durchstochern fällig. Was den Einsatz eines solchen Tanks meiner Meinung nach ad absurdum führt, zumal dann der gesamte Inhalt auf einmal in die eigentlich zu schützenden Gewässer abläuft. Ganz abgesehen vom eher geringen Unterhaltungswert dieser immer wieder nötigen Gülletauchgänge.
Im Laufe der Jahre entwickelten wir eine fast schon paranoide Sensibilität für den Holding Tank, immer häufiger gingen wir aber dazu über, das Ablaufventil geöffnet zu halten, um eine Verstopfung erst gar nicht zuzulassen. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass bei uns selbstverständlich kein Papier o. ä. in die Toilette kommt.
Da eine minimalinvasive Modifikation durch erst seit kurzem verfügbare Werkzeuge möglich war und ich trotz aller Unbilden noch immer an die Sinnhaftigkeit eines Fäkalientanks glaubte, habe ich mit dem ultimativen Rausschmiss lange gezögert und zuvor folgende Gedanken dazu entwickelt: Die Biomasse mariner Lebensformen übersteigt jene der Seefahrer noch immer bei weitem.
Ich segle zu 98 Prozent zu zweit mit meiner Frau, die Menge an Abwässern ist marginal – es macht die schiere Masse in überfüllten Buchten, die diese verunreinigen. Würde ich auf einem 470er, Kielzugvogel, Shark o. ä. segeln, müsste ich auch auf die Pütz und ab ins Meer.
Und jetzt kommt‘s: Alle von mir befragten Yachties haben ähnliche Probleme mit den Holding Tanks und schütten zu Reinigungszwecken Chlor oder gar Salzsäure in die meist unzugänglichen Abwasserbehälter. Oder verwenden die Bypass-Schaltung, um die Tanks erst gar nicht zu benutzen! Macht das Sinn? Schont das die Gewässer? Ich selbst habe gelegentlich Essig oder lebensmittelechte Zitronensäure zum Spülen benutzt. Und wer je den Kurs eines Kreuzfahrtschiffes gekreuzt hat, das gerade seine Tanks leert, der weiß, was Verunreinigung der See wirklich bedeutet – denn da ist alles drin.

Das folgende Kettensägenmassaker war nötig, um den auf den ersten Blick leicht auszubauenden Holding Tank herauszubekommen. Mein Tank hatte links oben Einlass und Entlüftung, geführt durch die Öffnung in einer Schottwand, die nach oben vergrößert werden musste, um den Tank später anheben zu können. Das wäre aus Platzgründen mit einer Stichsäge unmöglich gewesen. So suchte und fand ich die Bosch Nanoblade-Minikettensäge, mit der man selbst in Ecken durch dicke, anlaminierte Holzwände fräsen und den Druck so dosieren kann, dass man nicht zwangsläufig in hinter Schottwand oder Kastenkorpus liegende Kabel oder Schläuche schneidet. Offensichtlich wurde werftseitig zuerst der Tank, dann durch einen begnadeten Schiffszimmermann ein für maximale Platzausbeute asymmetrisch gestalteter Kasten rechts davon eingebaut, den ich, um ihn ausbauen zu können, zersägen musste.

Fäkalientank raus …
… Spülbogen rein.
Danach habe ich den Schrank mit Holzplatten und Zündhölzern in Stärke des Sägespalts als Distanzstücke wieder verschraubt und eingebaut sowie die Rückwand verleimt und mit Winkelstücken verspannt. Den Sägeschnitt hatte ich vorsorglich in der Höhe des oberen Einlagebodens gesetzt, damit dieser nach dem Zusammenbau nicht mehr zu sehen ist.
Anstelle des Holding Tanks legte ich einen Schlauchbogen, der dem Volumen nach eine komplette Spülung ohne primärer Abwasseransaugung gewährleistet. Der zuvor gar nicht erwogene Zugewinn an Stauraum für Ersatzteilboxen stellt einen zusätzlichen Vorteil dar. Und sollte in den von mir bevorzugten Segelrevieren ein Holding Tank gesetzlich vorgeschrieben werden, baue ich mir einfach einen kleineren, leicht zu wartenden Tank ein.

Mehr Stauraum dort, wo einst der Holding Tank war.

 

 

Horst Kainz ist Eigner einer Sunbeam 40 Baujahr 1999, der Apollonia II​, und Do-it-yourself-Experte an Bord.

 

 

 

Fotos: Horst Kainz

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