Irlands Wild Atlantic Way zählt zu den spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Wir haben uns ein Teilstück des 2.500 km langen Roadtrips von See aus angesehen. Und dazu den Atlantik zwischen Sligo und Galway mit einem very britischen Regattaboot unter den Kiel genommen. 

Rau, wild und atemberaubend schön: Irlands Westküste ist ein ebenso forderndes wie faszinierendes Segelrevier.

“Siehst du den Kerl dort im Wasser?“, fragt mich Dave in irisch gefärbtem Englisch. Ich nicke. „Das ist der Metal Man“, schmunzelt er, „ein 200 Jahre altes Leuchtfeuer in Matrosengestalt.“ Zehn Minuten später legen wir vom Pier der SAR-Station in Rosses Point ab. Die kuriose, rot-weiß-blau lackierte (Seezeichen-)Figur verabschiedet sich im Heck. Das Geschrei der Möwen, die der auflandige Wind über die Dünen und Klippen des malerischen Seebad-Örtchens trägt, verstummt. 

Dave geht auf Kurs 260°, wirft ­einen Blick auf den Verklicker und lässt uns Segel setzen. Im Handumdrehen sind Groß und Fock in Arbeitsposition. „Super-Zeit“, sage ich anerkennend. Dave sieht das anders. Der gestandene Blauwassersegler hätte die Garanten des Vortriebs, na sagen wir: gern doppelt so schnell oben. „No one is born
a master“, grummelt er.


O‘Briens Castle, auf der Insel Inisheer (links), Felsriffwüste bei Connemara (Mitte) und Blick vom Fort Dún Aonghasa auf der Insel Inishmore (rechts).

Der Atlantik zeigt sich von seiner friedlich(st)en Seite. Bei drei Beaufort und raumem Wind ist der Spinnaker gesetzt und der Auto­pilot in Funktion. Die Küste präsentiert sich als buntes Wechselspiel aus schroffen Klippen, stillen Buchten und leuchtenden Stränden. Delfine surfen in unserer Bugwelle. „Beewee Head“, deutet Dave nach fünf Stunden Genusssegeln auf eine bizarre Felsformation. Damit ist es um den kommoden Raumschotkurs geschehen. Der Spi verschwindet im Bergeschlauch, Dave übernimmt das Ruder und setzt Kurs auf den Leuchtturm am nördlichsten Zipfel der Broadhaven Bay. 
Nach einer halben Seemeile schaltet die Landschaft von Moll auf Dur, weichen die düsteren Fels­panoramen saftig grünen Schafweiden. Ich mache die Lynx – eine Harley Race ­Reflex 38 – an einer Mooring-Boje fest und melde mich eine Etage tiefer zum Küchendienst. 

Schroffe Klippen, stille Buchen, leuchtende Strände und ab und zu ein Guinness.

Unglaublich, wie gut man auf einer knapp 50 Zentimeter breiten Salonkoje schlafen kann, ich höre am nächsten Morgen weder den Wecker noch den Flötenkessel auf dem Herd. „Wake up, guy“, rüttelt mich Dave wach. Und drückt mir eine frisch gebrühte Tasse Kaffee in die Hand. Okay, noch schnell eine Katzenwäsche, ein Müsli, einen zweiten Kaffee und schon heißt es Leinen los, Segel rauf und bei Laune machendem Wind Kurs Inishkea-Inseln. 
Die Lynx knackt die 10-Knoten-Marke. Kurz nach 13 Uhr rückt ­Inishkea South ins Bild. Dave steuert die türkisfarbene Bucht im Osten der zwei Quadratkilometer großen Atlantiksprosse an, fährt ein Ankermanöver, pumpt das Schlauchboot auf, montiert einen 2,5-PS-Quirl an den Spiegel und tuckert mit uns los. Außer Dünen, blütenweißem Sand und einem Leuchtturm geben sich nur Schafe, Seevögel und Robben die Ehre …

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Fotos: Gerald Penzl, Shutterstock

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