Knoten sind nicht nur zum Durchschlagen da | ocean7

Frei nach Gordion und Alexander – immerhin hat sich der phrygische König Gordion im 9. Jahrhundert v. Chr. mit diesem Thema auseinandergesetzt und Alexander der Große hat 333 v. Chr. den Knoten mit Brachialgewalt gelöst – so kann man es natürlich auch machen. In den tausendjährigen Erfahrungen der Seefahrt hat sich aber die Anwendung von Knoten etwas verfeinert.

Immer wieder erlebe ich diese oder ähnliche Situationen: Man liegt gemütlich in der Marina in der Box, schlürft seinen Sundowner, plötzlich kommt Bewegung in die Beschaulichkeit: Eine Yacht will den Platz neben dir anlaufen, der Wind drückt den Bug nach Lee auf deine Yacht – verflixt, der Fender ist weiß-Gott-wo, sh… – ich bringe den Knoten nicht auf, zum Teufel – wer hat denn da einen Schuster-Knopf gebunden anstelle eines Fenderknotens?

Zur guten Seemannschaft gehört auch der richtige Umgang mit Knoten. Jeder Knoten hat seinen Sinn und seine Berechtigung. Die Bezeichnungen selbst sind nicht so wichtig. Die Bergsteiger sagen Bulinknoten zum Palstek, Mastwurf zum Webeleinstek und Prusik zum Stopperstek. In der Literatur werden tausende Knoten beschrieben, in der Knotenbibel von Ashley findet man um die 3.900 Varianten.

Einer der einfachsten Knoten ist der Klampenschlag – oder doch nicht?

Für uns Seeleute reichen sechs Knoten allemal

Da ist einmal der Achtknoten. Er wird am Ende einer Leine angebracht und verhindert dadurch das Ausrauschen durch die Klemme oder das Verschwinden der Schot unter die Abdeckung einer modern gestylten Yacht.

Der Webeleinstek, das ist der Knoten fürs Festmachen an Pfählen, Dalben oder Pollern. Und in Abwandlung mit Slipstek der ideale Fenderknoten. Und zum Festbändseln aller möglichen Leinen.

Einer der einfachsten Knoten ist der Klampenschlag, allerdings wird er in den seltensten Fällen auch richtig gelegt: Die Engländer haben dafür eine Eselsbrücke, nämlich O – X – O! Die Leine kommt im spitzen Winkel zur Klampe, einmal um den Fuß der Klampe (= O), dann folgt das Überkreuzen (= X) und mit einem kleinen O wird der Klampenschlag geschlossen. Klingt einfach, gelingt aber nicht immer auf Anhieb.

Für den eineinhalb-Rundtörns mit-zwei-halben-Schlägen habe ich keinen klingenden Namen parat, er heißt eben so. Diesen Knoten braucht man, wenn es beim Anle­gen schnell gehen soll und das Schiff ­gegen den Wind oder gegen die Strömung gehalten werden muss.

Jetzt kommt noch der Schotstek. In den Lehrbüchern findet man ­immer noch den „einfachen Schotstek“. Die p. t. Leserschaft möge bitte diesen aus dem Gedächtnis streichen, er taugt nichts. Ich empfehle den doppelten Schotstek zum Verknüpfen zweier Enden, besonders wenn die zwei Leinen unterschiedlich stark sind.

Zum Schluss darf ich den Königsknoten, nämlich den Palstek erwähnen. Ich nehme an, jeder kennt den Spruch „Das Krokodil kommt aus dem Teich, kriecht um den Baum herum und springt wieder in den Teich zurück“, diese Anleitung zum Knüpfen findet in fast jeder Segelschule Anwendung. 
Der Pal­stek wird am meisten gebraucht, für mich ist er der wichtigste Knoten, nicht nur an Bord. Er hält unter jeder Belastung, ist leicht zu lösen und slippt nicht. Ich verwende ihn fast immer dort, wo ich Schlingen brauche, wenn ich zwei Leinen ­verbinden möchte – wie ­gesagt, für mich der zuverlässigste und vielseitigste Knoten.

Abschließend und für den Eintrag ins Stammbuch sei gesagt, Übung macht den Meister und Knoten müssen sitzen. Es muss halt manchmal schnell gehen, und dann sollte man nicht mehr überlegen müssen: „Wie war das doch gleich mit Krokodil, Baum und Teich?“

Gottfried Titzl Rieser, langjähriger Ausbildungsreferent des YCA und seit 2022 Commodore des größten Yachtclubs Österreichs. Er ist passionierter Fahrtensegler und hat rund 25.000 Seemeilen in seinen Logbüchern dokumentiert. Sein Motto: „Die See ist der beste Lehrmeister!

Fotos: Miss Niko/Shutterstock, privat

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