Zugespitzt und voller Dramatik. Der America’s Cup zeigt gegen Ende alles, was Segelsport kann.

Spätestens seit dem heutigen neunten Rennen wurden die letzten Kritikpunkte ad absurdum geführt. Hi-Tech und Fortschritt mit den daraus resultierenden irren Geschwindigkeiten treffen auf knapp eine halbe Stunde Match Race wie wir es von wendigen, kleinen (und naturgemäß dann langsamen) Kielbooten kennen. Auf der einen Seite der Großmeister des direkten Duells, Jimmy Spithill, ehemaliger Weltmeister im Match Race mit seiner technisch versierten Italienischen Truppe. Und auf der anderen Seite die „Boygroup“ aus Neuseeland, deren Hauptprotagonisten im Golf von Hauraik groß wurden und die hohen Geschwindigkeiten beim Segeln quasi mit der Muttermilch mitbekommen haben. Das waren die Zutaten, die heute um 04:45h nach einer halben Stunde Startverschiebung, zum bisher unbestrittenen seglerischen Higlight in Neuseeland gipfelten. Die spannenden Momente aufzuzählen verbietet die Tatsache, dass es so gut wie keinen Moment im Rennen gab, der den Puls absinken ließ. Bis, ja bis Spithill, Bruni und Co sich beim letzten Schlag vor dem letzten Luv-Gate schlicht und einfach für die falsche Seite des Kurses entschieden. Mit etwas mehr Druck und einem Dreher nach rechts kam Emirates Team New Zealand an Luna Rossa vorbei, eine halbe Minute später waren es beim Bojenmanöver gleich 150 Meter und am Vorwind sind die Kiwis nicht zu holen.

Sie haben die Hand bereits an der Kanne – Emirates Team New Zealand liegt mit 6 : 3 in Führung. Ein Sieg fehlt und der „Auld Mug“ bleibt in Auckland. (Foto: Richard Hodder)

Peter Burling, Glenn Ashby und Blair Tuke stellten damit auf 6:3 und holten sich gleich drei Matchbälle. Die Einlösung kann erst morgen erfolgen, ein zweites Rennen ging sich heute bis zur  letztmöglichen Startzeit nicht mehr aus. Bleibt die Frage, ob die Italiener rund um „Mister Comeback“ Jimmy Spithill noch etwas aus dem Hut zaubern. Oder, um es mit den Worten von Francesco Bruni zu sagen: „Was ich von Jimmy gelernt habe in unserer Zusammenarbeit? Aufgeben gibt es nicht. Niemals.“

Titelfoto: (c) ACE / Studio Borlenghi

Diesen Artikel teilen