Nach zwei Tagen und vier Rennen steht es beim 26. America’s Cup 2:2. Aufstehen um 4h früh zahlt sich aus. 

Wer den – ausgezeichneten – Kommentar des Live-Streams von Doppelolympiasieger Hans Peter Steinacher auf Servus TV verfolgt, der wähnt sich in einer fast ganz normalen Regatta: sichere Leeposition, den Gegner kontrollieren, beim Start die Layline zur Luv-Seite kontrollieren. Alles normaler Match Race Sprech. Was man dabei immer wieder vergisst, sind die puren Zahlen und Daten. Die 6t-schweren Boote fliegen, auch in der Vorstartphase, mit knapp 40 Knoten durch die Startbox und bis auf wenige Meter aufeinander zu. 

Vom Rhythmus und den Augenblicken
Der zweite Regattatag brachte Leichtwindverhältnisse, so rund um und eher unter 10 Knoten, dazu schön pendelnd. Nach einer kurzen Startverschiebung, brachte eine Glanzleistung von Jimmy Spithill am Steuer von Lua Rossa Prada Pirelli die Italiener in eine komfortable Startposition. Spithill schätzte den Winddreher rund 30 Sekunden vor dem Start richtig ein, erkannte, dass die Neuseeländer ihn zum Start nicht mehr pushen können und setzte sich die entscheidenden Meter nach Luv. Damit war zur ersten Wende für seinen Steuerpartner Francesco Bruni angerichtet. Die Italiener setzten eine perfekte Wende in die sichere Lee-Position und zwangen die Kiwis zuerst in die Abwinde und dann zu zwei unfreiwilligen Wenden. Der Rest war ein kleines Kapitel Segelgeschichte, Luna Rossa setzte sich erstmals in einem America’s Cup in Führung. 

Bei beiden Starts ging es wirklich knapp zur Sache, die rennentscheidenden Unterschiede waren mit freiem Auge eigentlich nicht zu erkennen. Beide Male glichen sich die Ausgangspositionen: Luna Rossa in Luv, ETNZ in Lee.

Die zweite Vorstart- und Startphase war vom Setting her ein Spiegelbild des vorangegangenen Rennens. Diesmal waren es allerdings Burling, Tuke und Co, die sich die entscheidenden Meter besser positionieren konnten. Damit lief das Spiel genau gespiegelt: Luna Rossa muss wenden, die Neuseeländer fahren auf die – diesmal – bessere linke Seite und sind von der ersten Wende an im besseren Windrhythmus. Die erste Kreuz wird zu einem sehr feinen Duell, wieder vergisst man gerne auf die Geschwindigkeiten und Kräfte, die auf den Flug-Yachten herrschen. 

Was bleibt, ist der schon nach Tag 1 erwähnte Wermutstropfen: Wann sehen wir endlich Überholmanöver?

Alle Fotos: (c) ACE / Studio Borlenghi

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