Peking | ocean7

Ein Buch über das Schicksal und die Wiedergeburt eines legendären Hamburger Segelschiffes. Rezension von Prof. Mag. Herbert Klein.

Als die Peking, einer der legendären „Flying-P-Liner“ der Reederei Ferdinand Laeisz, 1911 als eines von vier Halb- und weiteren drei Schwesterschiffen (in Travemünde liegt noch die Passat und in Fahrt ist noch die Halbschwester, die russische Krusenstern ex Padua) vom Stapel lief, war die große Zeit der Windjammer eigentlich vorbei.

Die Peking auf einem Gemälde von Schmidt-Hamburg. Foto: Wikimedia Commons

Nur in der Chile-Salpeterfahrt konnte noch ausreichend Geld verdient werden und das sogar noch in der Zwischenkriegszeit. Da allerdings nur mehr als Fracht- und Schulschiff, was aber nur gelang, indem die Schiffe – technisch vollkommen ausgereizt – auf Basis der besten Wetterdaten rund Kap Hoorn gejagt wurden. 1932 war auch das vorbei und die Peking wurde zum teilweise abgeriggten Schulschiff Arethusa in England. Der Film „Mörder ahoi“ mit „Ms. Marple“ Margaret Rutherford erinnert daran.

Wieder unter ihrem alten Namen gelangte die Peking dann nach New York, wo sie 1976 als Highlight der Windjammerparade (200 Jahre USA) der Öffentlichkeit präsentiert wurde und bis zu ihrem Verkauf nach Deutschland 2016 – nun fast schon ein Wrack – verblieb.

Die Rückkehr erfolgte 2017, abgeriggt bis auf den Originalbestand, im Dockschiff, auf eigenem Kiel wollte man der alten Dame eine Atlantiküberquerung nicht mehr zumuten. Doch nach ihrer Ankunft erwies sie sich als viel besser erhalten als anfangs befürchtet. Die Restaurierung ging rasch voran und nun kann sie wieder in Hamburg besichtigt werden – ein Grund mehr, die schöne Stadt zu besuchen.

Pekings Rückkehr in den Hamburger Hafen, September 2020.

Beginnt man das Buch zu lesen, bemerkt man anfangs eine etwas holprige Diktion und Unsicherheit bei den nautischen Begriffen. Doch schon bald weichen diese Bedenken einer großen Lesefreude, die das spannende Leben des Schiffs gemeinsam mit zahlreichen alten und neuen Fotos, Plänen, Skizzen und Karten vermittelt. So habe ich denn das Buch in kürzester Zeit ausgelesen und keine wichtige Information vermisst.

Der Autor, Matthias Gretzschel (1957), wuchs in Dresden auf und absolvierte dort eine Buchhändlerlehre, studierte dann aber evangelische Theologie und promovierte 1988. Er war Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt und schrieb zahlreiche kulturgeschichtliche Sachbücher, u. a. widmete er sich auch maritimen Themen: „Am Anfang war das Schiff“ (2012), „Hamburg.Licht.Kunst“ (2015), „Cap San Diego“ (2016) und „Geister der Südsee“ (2017) (alle bei Koehler).

Matthias Gretzschel: “Peking”, Schicksal und Wiedergeburt eines legendären Hamburger Segelschiffes. 2. erweiterte Auflage, 176 Seiten, zahlreiche Farb- und S/W-Fotos, gebunden mit Schutzumschlag, ca. 24 x 28 cm, € 29,95, Koehler, Hamburg 2020, ISBN 978-3-7822-1384-4

Fotos: Shutterstock

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