Wenn ein Österreicher ein Freizeitschiff auf dem Meer skippern will, dann ist es am besten, wenn er einen österreichischen Bootsführerschein hat. Er hat zwar die Möglichkeit, den Bootsführerschein eines anderen Landes zu erwerben, aber die Gültigkeit ist dann nicht immer überall garantiert.
Die allgemeine internationale Grundregel ist nämlich, dass der Bootsführerschein des eigenen Heimatlandes anerkannt wird. Der Bootsführerschein eines anderen Landes kann, muss aber nicht akzeptiert werden.

Wenn man von „Anerkennung“ spricht, muss man außerdem auch beachten, von wem man Anerkennung will und zu welchem Zweck:

– Ist der Bootsführerschein staatlich und rechtlich anerkannt in dem Land, in dem man unterwegs sein will?
– Ist der Bootsführerschein staatlich und rechtlich anerkannt in dem Land, in dem das Schiff ­zugelassen ist?
– Ist der Bootsführerschein an­erkannt vom Versicherer des Schiffes?
– Ist der Bootsführerschein an­erkannt vom Vercharterer oder Eigner des Schiffes?

Diese verschiedenen Facetten von Anerkennung werden sehr kontrovers diskutiert und stiften Verwirrung. 

Österreichisch: das international Certificate
Für einen Aspiranten, der einen Bootsführerschein erwerben will, wird es durch das Angebot verschiedener Bootsführerscheine unübersichtlich. Dazu kommt noch, dass der österreichische Bootsführerschein nur „indirekt“ existiert.  
Seit 2012 gibt es nämlich keinen staatlichen österreichischen Bootsführerschein mehr. Er wurde ersetzt durch das „Internationale Zertifikat zur Führung von Yachten“, auch „International Certifi­cate“ genannt. Dieses Zertifikat
ist zwar durch eine europäische „Resolution“ rechtlich abgesichert, aber es ist nur eine Bestätigung, dass die entsprechenden Prüfungen abgelegt wurden. Eine anerkannte österreichische Prüfungs­organisation führt die Prüfungen durch und bestätigt das durch einen „privaten Befähigungsausweis“. Aufgrund dieses Ausweises stellt das österreichische Verkehrsministerium über die „Viadonau“ das ­österreichische „International ­Certificate“ aus. 

Dieses Konstrukt war zu Beginn 2012 durch eine Verordnung inhaltlich zu wenig abgesichert, sodass 2015 eine neue Verordnung erlassen wurde. Dabei hat das Verkehrsministerium aber überreagiert und im Vergleich zu anderen Ländern zu aufwendige Regeln erlassen. Mit einem Schlag wurde den österreichischen Skippern klar, dass andere Länder moderatere Anforderungen stellen und die Anzahl österreichischer Bootsführerscheine sank von ca. 1.800 auf 1.100 pro Jahr ab. 
Erst 2020 gelang eine neue, verbesserte Verordnung, die „Jachtverordnung – JachtVO“. Diese führte zu einer Stabilisierung des Prüfungswesens und die Anzahl österreichischer Bootsführerscheine stieg 2022 auf 2.159 „International Certificates“ an. Dies ist positiv zu bewerten, weil der österreichische Bootsführerschein unbestritten die beste Lösung für einen österreichischen Skipper ist und daher sein Erwerb gefördert werden sollte.   

Trotzdem erwerben auch heute noch schätzungsweise mehr Österreicher einen ausländischen Bootsführerschein als einen österreichischen. Was könnte man also noch verbessern?

Neue Maßstäbe setzen
Ausländische Bootsführerscheine bieten teilweise eine kürzere Ausbildung und kürzere Prüfung. Allen voran das kroatische Küstenpatent „Boat Skipper B“. Schon ein einziger Ausbildungsabend und ein Skriptum genügen, und man kann die Prüfung bestehen. Das ist nicht nur für Aspiranten attraktiv, sondern auch für Ausbildungsstätten leicht verdientes Geld. Damit kann der österreichische Bootsführerschein nicht konkurrieren, denn die „JachtVO“ schreibt den (weitaus größeren) Umfang der Prüfungsinhalte genau vor. 

Das österreichische Ausbildungswesen kann sich ­sehen lassen:
– Durch die seit 2020 stabile ­inhaltliche Absicherung der Lerninhalte gibt es bessere Kursunterlagen.  
Elektronische Lernhilfen für Fragenkataloge und Lernsoftware bis hin zu V­irtual Reality sind vorhanden.
Online-Kurse erweitern den Einzugsbereich der Ausbildungsstätten.

Um diese Entwicklungen zu fördern, hat der MSVÖ (Motorbootsport und Seefahrts Verband Österreich) die Absicht, ein „Gütesiegel“ für Ausbildungsstätten zu vergeben. 
Dieses Gütesiegel soll bestätigen, dass die Ausbildungsstätte nur für den Erwerb des österreichischen Bootsführerscheines tätig ist und dazu eine umfangreiche und effektive Ausbildung in Theorie und Praxis bietet. 
Für zukünftige Skipper, die vor der Wahl stehen, welchen Bootsführerschein sie machen sollen und bei welcher Ausbildungsstätte, soll dieses Güte­siegel ein Wegweiser zu einer fundierten Ausbildung sein.

DI Harald Melwisch, Präsident des „King Yachting Club“,
Prüfungsreferent des MSVÖ – Motorbootsport und Seefahrts
Verband Österreich und langjähriger Experte auf dem Gebiet der
Berufs- und Freizeitschifffahrt. 

Foto: rawf8/Shutterstock

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