Warum eine Skipper-Haftpflichtversicherung eine gute Absicherung gegen Versicherungen ist, erklärt Rechtsexperte Friedrich Schöchl anhand eines aktuellen und leider allzu oft auftretenden Falles.

Dr. Friedrich Schöchl, Chef von Yacht-Pool und Erfinder der Skipper-Haftpflichtversicherung.

In unserer täglichen Praxis erleben wir einige Fälle, die als einfacher und fröhlicher Charterurlaub begannen und letztlich in einem abenteuerlich-komplexen Rechtsstreit endeten. Dank unseres über die Jahrzehnte aufgebauten Netzwerkes von kompetenten Gutachtern und Vertrauens-Anwälten gelingt es uns oft, solche Fälle zu lösen, bevor sie zu einem ernsten (Gerichts-)Problem für den Charterkunden werden.
Bei folgendem aktuellen Fall zeigt sich besonders deutlich, dass auch erfahrene Skipper, die bei einem namhaften Vercharterer buchen, nicht vor solchen “Abenteuern” gefeit sind.
Der österreichische und sehr erfahrene Willi (Name geändert) wählte für seinen Törn im August 2020 einen namhaften kroatischen Vercharterer, der das Siegel Checked & Trusted by Yacht-Pool trägt. Dieses Siegel weist eine Charter-Firma als zuverlässiges Unternehmen aus, dessen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit über die jährlich einzureichenden Bilanzzahlen von Yacht-Pool geprüft wird und dessen Service und Qualität tadellos ist. Die Skipper-Haftpflichtversicherung hatte Willi bereits.
In einem dicht belegten Bojenfeld auf der Insel Tijat kam es zu einer Schiffsberührung mit einer Motoryacht eines deutschen Eigners. Korrekt wurden die Personalien ausgetauscht, es erfolgte eine Meldung bei der zuständigen Hafenpolizei, bei der Chartergesellschaft und bei Yacht-Pool. Bei der Rückgabe der Charteryacht füllte Willi an der Charterbasis noch einen Unfallbericht aus – damit wäre alles ordnungsgemäß erledigt.

Wenn die Versicherung den Ball foulend zurückspielt, ist guter Rat ohne Skipper-Haftpflichtversicherung teuer. © Shutterstock

Chartervermittlung ist nicht gleich Charter-Vertrag!

Völlig überrascht erhielt Skipper Willi Ende November jedoch diese Mail des geschädigten deutschen Eigners: “Sehr geehrter Herr Willi, da Sie der Schadenverursacher sind und gleichzeitig Charterer des Bootes waren, bitten wir Sie innerhalb der nächsten 14 Tage um die Begleichung der Ihnen bereits übersandten Schadenrechnung über 4.077,– Euro.”
Unsere Recherchen ergaben, dass die Charterfirma alle Unterlagen korrekt an den kroatischen Versicherer des Charterschiffes weitergeleitet hatte. Und dort passierte dann – nichts.
Der Skipper in Not wandte sich an seine Agentur, die ihn vermittelt hatte, in der Hoffnung, dass sie ihren Geschäftspartner zur Klärung des Sachverhaltes bewegen könnte. Die Intervention war wohl zu wenig energisch, weil erfolglos. Als Nebenwirkung in dieser Sache stellte sich aber heraus, dass der Charterer nicht einmal einen Chartervertrag mit dem Vercharterer hatte. Er ging davon aus, dass er ja bei der Agentur gechartert hatte. Er betrachtete die AGB der Chartervermittlung als Chartervertrag.
Ein Irrtum, der fatale Folgen haben kann – sowohl für den Charter-Skipper als auch für die Agentur. Dass die Charterer über die wahren Vertragsverhältnisse nicht Bescheid wissen ist übrigens kein Einzelfall, sondern kommt auch bei Anwälten, Versicherungsleuten und sogar Richtern vor. Offensichtlich sind die Skipper bei Unterzeichnung der Buchung in Gedanken schon auf dem Wasser und wollen vom Paragraphen-Zeug nichts mehr sehen.
Wie wir wissen, ist es leider auch kein Einzelfall, dass oft ausländische Versicherer Unterlagen nicht auffinden können oder sehr verzögert bearbeiten, und Skipper in der Folge wenig Mut haben, den juristischen Weg zu gehen. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt! Dabei ist die Hürde für Klagen gegen ausländische Unternehmen innerhalb der EU gar nicht so hoch – zumindest, was Rechtsfälle unter 5.000,– Euro betrifft. Für solche gibt es im Rahmen des europäischen Verbraucher-Rechtes ein vereinfachtes Verfahren (siehe meine Kolumne „Wo der Kläger, da der Richter“ in ocean7-Ausgabe 6/2020). Mit einer ähnlichen rechtlichen Auseinandersetzung beschäftigt sich derzeit z. B. ein Salzburger Gericht. Wir werden nach Abschluss des Verfahrens über den Ausgang im Einzelnen berichten.

Frage an den Skipper: Ist die Crew an Bord gegen etwaige Personenschäden geschützt? © Shutterstock

Schiffs-Haftpflicht ist nicht gleich KFZ-Haftpflicht!

Der von Willi Geschädigte wendet sich nun – juristisch korrekt – an den Schadenverursacher. Denn der Skipper haftet primär voll und ganz mit seinem Vermögen für jeden Schaden, den er verursacht. Viele Skipper glauben, dass sich ein Geschädigter wie bei der KFZ-Haftpflichtversicherung nur an den Haftpflicht-Versicherer der Charteryacht zu wenden hat.
Irrtum, denn jedes Charterschiff hat zwar eine Schiffs-Haftpflichtversicherung (bzw. sollte haben), das heißt aber noch lange nicht, dass diese sozusagen “automatisch” für einen Schaden zahlt oder der Skipper von seiner Haftung befreit ist. In jedem Fall haftet der Skipper uneingeschränkt gegenüber dem Geschädigten und muss seine eigene Deckung gegen den Schiffs-Haftpflichtversicherer mitunter mühsam einklagen. Hier geht es nur um vier Tausender – bei einem Personenschaden könnten solche Beträge aber durchaus fünf- oder sechsstellig sein.
Ich möchte dabei auf den vergleichbaren (und veröffentlichten) Haftpflichtschaden verweisen, der einem Polizeipräsidenten passierte. Auch er touchierte beim Einparken eine andere Yacht. Hier lag der Schaden allerdings bei 30.000,– Euro. Und auch hier verweigerte die kroatische Versicherung ganz einfach die Regulierung des Schadens. Der Polizeipräsident wurde verklagt. Unsere Skipper-Haftpflichtversicherung übernahm den Schaden und forderte die Schadenzahlung vom kroatischen Versicherer ein. Das geschah vor vier Jahren, das Verfahren läuft immer noch und die Kosten belaufen sich mittlerweile auf über 75.000,– Euro!
Das Ziel von Yacht-Pool ist jedoch, solche Konflikte möglichst schnell und möglichst außergerichtlich zu lösen. Damit alle Parteien rasch und unkompliziert zu ihrem Recht kommen. Wenn nicht möglich, übernimmt die Skipper-Haftpflichtversicherung eben auch die Klage und die Kosten eines Gerichtsverfahrens im Ausland.
Aber zurück zu Willi, der ja eine Charteragentur mit unserem Qualitätssiegel „Checked & Trusted“ gewählt hatte. Ich setzte mich mit dem Chef der Charterfirma in Verbindung und legte ihm dringend nahe dafür zu sorgen, dass sein Haftpflichtversicherer seinen Pflichten unverzüglich gegenüber dem Charterkunden nachkommen möge. Prompt wurde uns vom kroatischen Versicherer eine schnelle Begleichung des Schadens zugesagt. Glück im Unglück für Willi, weil Schaden auf der einen, Skipper-Haftpflichtversicherung in der anderen Hand.

Yacht-Pool

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