Slow Sailing im Inselmeer | ocean7

In der südwestlichen Ostsee, im deutsch-dänischen Grenzland und südlich von Fünen, liegt ein wunderschönes Mikrorevier, in dem das Seglerleben in vielerlei Hinsicht noch sehr beschaulich ist. 

Hafeneingang von Sønderborg, Jütland, mit Schloss Sønderborg.

Von Flensburg aus ist es zur Einstimmung ein kurzer, aber abwechslungsreicher Törn von knapp 20 Seemeilen durch geschützte Gewässer bis nach Sønderborg in Dänemark. Dabei kreuzen wir um die tückische und vielleicht deshalb so genannte „Schwiegermutter“ herum, die nichts anderes ist als ein ausgedehntes Flach an der Nordspitze der Halbinsel Holnis. Wie eine große natürliche Hafenmole ragt sie von Schleswig-Holstein aus nach Norden in die Förde hinein und verwandelt die Innenförde in einen gigantischen Naturhafen.
Östlich der Halbinsel wird es etwas rauer, denn hier geht es in die Außenförde hinein. Aber nun sind schon die markanten Doppeltürme der Kirche von Broager deutlich zu sehen, die seit dem 15. Jahrhundert einen sehr guten Zweck als Landmarke für Seefahrer erfüllt. Schon bald können wir abfallen und direkten Kurs auf den Hafen von Sønderborg nehmen. 

Hafen von Skarø, Spaziergang auf Ærø, speisen im Bistro „Grand-Mère“ in Sønderborg.

Hier machen wir wie immer im alten Hafen an der Stadtpier südlich der Klappbrücke fest. Neben einigen anderen Lokalitäten lockt mich vor allem das „Bistro Grand-Mère“. „In diesem Restaurant“, schreiben die Betreiber auf ihrer Webseite, „fühlen Sie sich wie in einem französischen Bistro in Paris oder in einem kleinen Pub in Lyon“. Das ist eine kühne Ansage, die sich aber zumindest teilweise und auf an­genehme Art bestätigt. Hier geht es freundlich und unkompliziert zu, die Karte bietet mittags ein paar gallische Klassiker wie Steak frites, Moules frites oder auch einen sehr leckeren Salat Chèvre Chaud. Dazu nicht nur guten französischen Wein, sondern auch, und das ganz selbstverständlich, einen klassischen Kir blanc zum Aperitif. Für den Abend bietet die Karte etwas mehr, da­runter auch Austern, bleibt aber immer noch angenehm übersichtlich.

Links die Ochseninsel in der Flensburger Förde, rechts Kongeskibet, die Yacht der dänischen Königsfamilie vor Schloss Sønderborg.

Bis nach Marstal an der Südspitze der Insel Ærø sind es von hier aus keine 30 Meilen, ein guter Tagestörn also. Finden sollte man die rot-weiße Ansteuerungstonne an der Einfahrt zum schmalen Fahrwasser durch die Flachs außerhalb von Marstal. Gut betonnt ist es nicht ohne Grund, denn beiderseits außerhalb der Tonnen wird man sofort auflaufen, hier wird es extrem flach. Die alte Schifferstadt Marstal hat jedoch einen besonders großzügigen Hafen, in dem man selbst im Hochsommer noch einen Platz finden dürfte. 

Marstal liegt an der Schwelle der „Dänischen Südsee“, oder auch des „Südfünischen Inselmeeres“, wie es die Dänen nennen. Hier könnte man etliche Ziele ansteuern: Kleine Eilande wie Birkholm oder etwas größere wie Skarø oder Avernakø, Drejø oder Lyø sind jede auf ihre Art zauberhaft. 

Steht einem jedoch der Sinn nach einer weiteren lebendigen Provinzstadt, kann man auch Svendborg ansteuern. Für unseren einwöchigen Törn wählen wir jedoch Lyø als nächstes Ziel.

Detlef Jens’ vollständiger Bericht über beschauliches Segeln zwischen Dänemark und Deutschland ist in der aktuellen ocean7-Ausgabe 1/2024 nachzulesen: Print-Ausgabe erhältlich im Abo, im ausgesuchten Einzelhandel und auf Bestellung in jeder Trafik. Und für alle unterwegs gibt’s das E-Paper für alle Geräte.

Detlef Jens, Journalist und Autor, lebt in Flensburg und ist Macher von literaturboot.de, einem Online-Journal für maritime Literatur und Lebensart. 2019 erschien Jens erster Roman “Black Jack” rund um den Liveaboard, Lebenskünstler und Yachtdetektiv Fabian Timpe, 2020 folgte mit “Gefährliche Gezeiten” der zweite Roman um den Fabian Timpe, Oktober 2021 mit “Im Kielwasser des Geldes” der dritte Band.

Fotos: Detlef Jens, Snapshot freddy/Shutterstock

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