8 Seglerinnen und Segler, 18 Tage über den Atlantik & 100 gute Gründe zur Freude.

Oliver Kobale und Micky Montoya blieben beim Schiff. So war es ausgemacht und geplant. Das ist mittlerweile Monate her und war der Anfang für ein ordentliches Abenteuer. Gestrandet in der Karibik, während die Welt in die Corona-Pandemie taumelt. Hört sich idyllisch an, war aber alles andere als ein verlängerter Traumurlaub. Die geplante Rückkehr von Bruder Konstantin Kobale mit benötigten Ersatzteilen Ende März fiel den Reiserestriktionen sowie dem eingestellten Flugverkehr zum Opfer. Somit musste der 20jährige Oliver Heft und Steuer seitens des „TAORP“-Teams alleine in die Hand nehmen. 

“Sisi” auf der Kreuz in Richtung des Hafens von Scheveningen,

Reifeprozess

Mit der Aufnahme von sechs weiteren, in der Karibik gestrandeten, europäischen Seglern (Ocean7 hat berichtet) wurde eine Crew zusammengestellt, die eine Rücküberstellung von „Sisi“ nach Europa ermöglichte. Nach zahlreichen – aus den unterschiedlichsten Gründen – fehlgeschlagenen Ideen und Versuchen konnten mit viel diplomatischer Unterstützung letztendlich die notwendigen Rahmenbedingungen für den Start aus der Karibik und das Einlaufen in Scheveningen aus der Heimat aus koordiniert werden. „Jeder der Kinder hat, kann sich vorstellen, wie strapaziert unsere Nerven waren“, erklärt Wolfgang Kobale, Vater von Oliver und Konstantin, am Telefon. „Julian (Kircher, Anm.) und Konstantin haben tagelang quasi durchgearbeitet, am Ende lagen aber die Letztentscheidungen bei Oliver, einige Tausend Kilometer entfernt. Es war für unseren jüngeren Sohn aber auch das gesamte Team und uns ein wahnsinniger Reifeprozess, im Zeitraffer.“ 

Es war nicht immer sonnig und warm. Ganz im Gegenteil.

45 Knoten und ein Haifisch

Der natürlich mit dem Ablegen eigentlich so richtig erst begann. Waren die ersten Tage auf See noch so etwas wie seglerisches „Business as usual“ im Notbetrieb, so wurde es gegen Ende ungemütlich. Doch bevor es ab England mit 40 Knoten aufwärts zu stürmen begann, auf die Nase natürlich, gab es mitten im Nirgendwo noch eine Kollision mit einem Hai. „Da hieß es Segel bergen, treiben und warten, bis sich der Haifisch wieder befreit hat“, so Skipper Oliver Kobale. Und führt weiter aus: „Wir waren für so ein Boot natürlich total shorthanded unterwegs, also sind wir quasi im Notbetrieb gesegelt. Um Crew und Schiff nicht zu gefährden.“ Was trotz Auswahl der Überstellungs-Segelwäsche Spitzengeschwindigkeiten die Wellen hinunter von über 20 Knoten mit sich bringt. „Ich bin wahnsinnig erleichtert und genau so stolz auf meinen Bruder, wie er das Ding geschaukelt hat. Jetzt haben wir alle nur mehr einen Wunsch: Gemeinsam wieder richtig mit „Sisi“ segeln zu gehen“, resümiert Konstantin, der ältere der beiden Kobale Brüder. 

Zu guter Letzt fehlen jetzt, nach dem Einlaufen in Scheveningen, „nur“ mehr die letzten Kilometer bis nach Österreich. ller Voraussicht nach mit einem der wenigen Diplomatenflüge nach Wien. Doch daran wird hinter den Kulissen noch fieberhaft gearbeitet… . 

Fotos: The Austrian Ocean Race Project/Laurens Morel, Micky Montoya




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