Um die ozeanischen Titel

Sieben Boote des OeSV-Nationalteams bereiten sich aktuell vor Geelong/Australien auf die bevorstehenden Klassen-Weltmeisterschaften im 49er, 49erFX und Nacra 17 vor. Als Generalprobe nehmen die Teams von Freitag bis Montag an den ozeanischen Meisterschaften teil.

Die verheerenden Buschbrände, die seit Wochen in Australien wüten, hatten auch Auswirkungen auf das Nationalteam. Die Segler trainierten teilweise mit Feinstaubmasken, vereinzelt fielen geplante Einheiten am Wasser auch aus. Mittlerweile hat sich die Situation vor Geelong gebessert. „Es ging sehr schnell, aktuell ist es überhaupt kein Problem. Wir haben eine nachgewiesen gute Luftqualität“, berichtet Lorena Abicht. Eine neue Herausforderung stellen aber die extremen Wetterbedingungen dar. Zum Start der Ozeanienmeisterschaften werden über 40 Grad Celsius erwartet, es steht sogar zur Diskussion die Rennen aufgrund von Gesundheitsrisiken zeitlich später anzusetzen. Am Ende der viertägigen Regatta könnten es hingegen nur mehr 16 Grad sein. „Beim Weg in den Segelclub fühlt es sich an als würde man in der Sauna radeln. Die trockene Hitze ist sowohl körperlich als auch mental eine große Herausforderung. Vom Wind haben wir zuletzt auch alles zwischen 5 und 25 Knoten gehabt“, so die Vize-Weltmeisterin von 2018.

49erFX sammeln viele Wasserstunden
Bei den drei 49erFX-Teams Frank/Abicht, Kohlendorfer/Farthofer und Schöfegger/Boustani geht die interne Qualifikation für den Startplatz bei den Olympischen Spielen mit der Weltmeisterschaft in die nächste Phase. Aktuell sammeln die Boote gemeinsam sehr viele Wasserstunden und verfolgen zusätzlich die individuell gesteckten Ziele. „Die Flachwasser-Bedingungen kommen uns entgegen, wir sind sehr fokussiert und wollen uns beweisen. Die Manöver funktionieren gut, wir haben zuletzt auch viel Bootsspeed getestet. Wir wollen bei der Ozeanienmeisterschaft ein gutes Gefühl bekommen. Es ist eine gute Generalprobe, um bei Material und Strategie noch etwas auszutesten“, weiß Abicht.

Die Damenteams legten einen großen Fokus auf Trainingsrennen, an denen auch andere Nationen teilnahmen. „Wir wollen unbedingt den Starkwindspeed weiter verbessern, da sind die Races sehr aufschlussreich. Wir haben in diesen Trainingswochen einen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind uns beim Setup für die WM noch nicht sicher und werden in den nächsten Tagen noch Großsegel testen“, schildert Laura Schöfegger.

Bei der Ozeanienmeisterschaft startet die 49erFX-Flotte in zwei Gruppen zu je 20 Booten – es sind somit ähnliche Voraussetzungen wie bei den Olympischen Spielen. „Wir sind gut vorbereitet und gespannt, was die nächsten Tage bringen. Wir stellen uns auf ein ‚up and down‘ bei Temperatur und Wind ein. Bei uns gehören die Starts zu den größten Themen, wir versuchen uns hier bei der Regatta weiter zu verbessern“, blickt Vorschoterin Lisa Farthofer auf den wichtigen Test.

Nacra 17 gehen andere Wege
Die österreichischen Nacra-17-Boote Zajac/Matz und Farese/Zöchling verbrachten gemeinsam mit den Trainingspartnern aus Argentinien und Großbritannien zwei Wochen im eine Autostunde entfernten Melbourne, um in Hinblick auf die Olympischen Spiele bei mehr Wind und Welle zu testen. Dabei standen hauptsächlich Speedtests auf dem Programm. „Das war ein sehr intensives Training und langfristig gesehen auch sehr wichtige Wasserstunden. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, auch wenn es nicht die Bedingungen waren, die wir bei der WM haben werden. Wir nutzen die ozeanische Meisterschaft, um uns auf das Flachwasser und die sehr drehenden Winde einzustellen“, verrät Thomas Zajac, der nach seiner im Sommer erlittenen Knieverletzung wieder topfit ist. „Meinem Knie geht es sehr gut. Ich habe es über den Winter aufgebaut und weiter gestärkt.“

Laura Farese und Matthäus Zöchling haben sich in diesem Jahr eine konstante Steigerung und den Sprung in die Goldflotte zum Ziel gesetzt. Dahingehend war der Trainingsblock vor Melbourne auch für die OeSV-Junioren sehr wichtig. „Wir haben uns beim Bootsspeed verbessert. Zurück in Geloong hatten wir noch zwei Trainingstage, an denen wir den Fokus auf Manöver gelegt haben“, berichtet Steuerfrau Farese.

Stetige Steigerung für Bildstein/Hussl im Vordergrund
Mit Rang sechs bei der 49er-Weltmeisterschaft vor Auckland lösten Benjamin Bildstein und David Hussl im Dezember das Olympia-Nationenticket. Das Duo vom Yacht Club Bregenz richtet nun den vollen Fokus auf Tokyo 2020 und nützte auch die ersten Trainingswochen in Australien für intensive Materialtests. „Auckland war unsere Zielregatta im letzten Jahr. Im Unterschied dazu haben wir jetzt in Hinblick auf die Olympischen Spiele sehr viel Zeit für die Materialauswahl verwendet. Das ist ein langfristig angelegter Plan und die Erkenntnisse sind sehr wertvoll. Bei den Ozeanienmeisterschaften geht es darum, das Setup zu finalisieren und die Einstellungen auszuarbeiten. Wir wollen gut reinkommen und uns bis zum WM-Start stetig steigern,“ berichtet Steuermann Bildstein. Neben den Weltranglistenzweiten wird mit Keanu Prettner und Jakob Flachberger auch ein weiteres österreichisches Team an den Start gehen. Die OeSV-Junioren bestreiten mit dem neuen Boot „Amun“ ihre Premieren-Weltmeisterschaften

Fotos: Sailing Energy / World Sailing

Im 49er-FX ist rot-weiß-rot am stärksten, also mit gleich drei Damenteams vertreten. Tanja Frank/Lorena Abicht haben immerhin WM-Silber von 2018 mit im Gepäck. 

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