Auf einem alten Boot gibt es immer Arbeit. Auch auf einem neuen, bestätigt unser Kranführer Luca, und so bleiben wir ein paar Tage in dem schönen Fluss Stella, um unseren 37-jährigen Katamaran Risho Maru einer Frischzellen-, äh, Frischwasserkur zu unterziehen, inklusive einiger Restaurationsarbeiten. 

Es gibt Schlimmeres, denn wir liegen mitten in Friaul und wo gearbeitet wird, muss auch gegessen werden. Den Tag beginnen wir in der Bar „Ai Cinquecento“ mit zahlreichen Arbeitern, Angestellten, Hausfrauen, Pensionisten – der Cappuccino ist schaumig und cremig, die Chefin resolut, aber gerecht. Zu jedem Kaffee gibt es ein Stamperl Mineralwasser, wer mehr braucht, bestellt Caffè corretto – einen ­Espresso mit einem Schuss Grappa. Dazu ein Brioche mit Marmellata di albicocche oder cioccolata. 

Gleich danach geht es zum Wochenmarkt – in der Umgebung ist immer gerade einer. Wir lieben den Markt in Palazzolo und kaufen zum wiederholten Mal diese wunder­baren kernlosen Victoria-Trauben bei Michele und Irena. Die beiden haben alle Hände voll zu tun – viele kommen wegen der saftigen Pesche noci und der himmlisch süßen ­Meloni di Mantova, der Honigmelonen. Vom Käsestand schnappen wir uns eine Ecke Montasio-Käse. Oder doch zwei. Je länger dieser reift, desto aromatischer wird er. Also einmal fresco und einmal stravecchio. Die Mittagsjause ist gerettet. Noch ein Cuore di bue – Ochsenherztomate – mit Balsamico, Olivenöl und weißen Zwiebel dazu, ­abgerundet mit einer Ciabatta. 

Himmlisch das Obst von Michele und Irena auf dem Markt in Palazzolo.

Die Arbeiten am Schiff gehen ­voran. Zwar wären wir einer Siesta nicht abgeneigt – so wie sie gerade in unserer näheren Umgebung alle halten –, aber schließlich wollen wir doch bald nach Kroatien. 
Der Abend bietet viele Möglichkeiten. Unser Favorit ist das „Ristorante Cigno“ in Latisana. Die Pizzen dünn und knusprig, die Kellnerin charmant und neapolitanisch. Ricotta e spinaci oder die Siciliana mit salzigen Anchovis. Dazu Insalata mista, mit Fenchel und Borlotti-Bohnen verfeinert. Wenn wir vom Mittagessen zu satt sind oder der Tag einfach zu heiß ist, bleiben wir ums Eck in der Bar „Il Stusighin“ hängen. 
Der Spritz bianco ist unschlagbar,  liegt wohl an den köstlichen Weißweinen, die in der Umgebung gekeltert werden. Und dann mein heißgeliebtes Frico con patate, Fladen aus Käse, Erdäpfeln und Zwiebeln, knusprig-goldig – mamma mia! Der Skipper nimmt die Tramezzini – die sind ja einfach immer gut! Gam­beretti, bresaola con rucola oder Speck, stracchino e zucchine …

Unwiderstehlich das Frico und die Tramezzini in der Bar „Il -Stusighin“.

Die Wasserlinie halten
Überhaupt gibt es in der Umgebung unendlich viele Möglichkeiten, sich den Bauch vollzuschlagen. Es brauchte einige Zeit, bis wir zu einem der Grill-Restaurants direkt an der Straße abgebogen sind, weil uns die Lage nicht gerade schön erschien, aber das Feuer des großen Grills zog uns immer wieder an. Die „Trattoria-Rosticceria al Gallo“ serviert unter anderem ein köstliches Pollo (halbes gegrilltes Huhn) mit Polenta. Dazu gerösteter Fenchel, Radicchio und Melan­zani. Spinaci al burro zergeht auf der Zunge.

Danach folgt ein Diättag, sonst müssten wir die Wasserlinie der Risho Maru höher setzen. Und noch mehr Arbeit brauchen wir wirklich nicht. Es gibt nur Cappuccino und erst am Abend biegen wir auf das Weingut „Anselmi“ ein, um einerseits „unseren“ Prosecco zu  kaufen und andererseits eine der köstlichen Bruschette zu schnabulieren. Bei Anselmi kann man auch nächtigen – für alle, die es auch ohne Schiffsrenovierung in diese Gegend zieht.

Auf dem Heimweg verwerfen wir wieder alle Diatpläne, indem wir in der Gelateria Artigianale einkehren. Dort verkosten wir Gelato ai mirtilli – Schwarzbeer-Eis – und als Draufgabe una pallina di gelato Vermouth con Arancia – gerührt, nicht geschüttelt.  
Ohne Grappa geht dann meist gar nichts mehr. Wir besuchen in Gehweite zur Marina unser Stammlokal „Da Mauro“ mit all den Arbeitern, Angestellten, Pensionisten und Hausfrauen, die uns freundlich ­zuwinken. La vita è bella!

PS: Wo es die besten Vongole des Friûl gibt, verraten wir nicht – scusate …

Alexandra Schöler ist Weltumseglerin, Sängerin, Regisseurin, Buchautorin und seit 2010 Ocean Woman.  

Fotos: Peter und Alexandra Schöler

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