Wal voraus!

Jeder Segeltörn ist einzigartig, unvergessen jedoch bleiben jene Momente auf See, die man mit Walen oder Delfinen teilen durfte. Doch Hand aufs Herz: Weiß jeder Skipper genau, wie er sich bei Begegnung mit diesen einzigartigen Tieren zu verhalten hat?
Die Whale and Dolphin Conservation (WDC) hat ein Infoblatt für Segler im Mittelmeer herausgebracht, um Segler über das richtige Verhalten bei Sichtung von Walen und Delfinen aufzuklären und zugleich eine Übersicht über die im Mittelmeer vorkommenden Wal- und Delfinarten zu geben.

Unterstützt wird die gemein­nützige Arbeit des WDC auch von Seglerlegende Andreas Hanakamp: „Die Meere haben für mich als Segler eine große Bedeutung, sie sind Teil meines Lebens. Die letzten 30 Jahre habe ich selbst erlebt, wie sich die Meere verändert haben durch den Eingriff des Menschen. In ­dieser Zeit hat auch die Zusammenarbeit mit WDC einen ganz besonderen Stellenwert für mich bekommen. Ich bin überzeugt, gemeinsam können wir etwas für Wale und Delfine, für die Meere und auch für uns Menschen zum Besseren verändern.“

Das Pelagos-Schutzgebiet (in der Karte hellblau) in der Ligurischen See ist das größte Schutzgebiet im Mittelmeer und eines der größten Europas. Es besteht etwa zur Hälfte aus den nationalen Gewässern Italiens, Frankreichs und Monacos und zur anderen Hälfte aus internationalen Gewässern. Dort leben neben Streifendelfinen, Großen Tümmlern und Gemeinen Delfinen auch Cuvier-Schnabelwale und Rundkopfdelfine sowie Grindwale, Finnwale und Pottwale.

Wal in Sicht – was tun?

Wachsamkeit ist geboten
Bei Sichtung des Blas eines Wals oder der Finne eines Delfins die Geschwindigkeit reduzieren und die Umgebung genau beobachten. Wenn der Wal in der Ferne gesichtet wurde, könnten sich andere in der Nähe – vielleicht unmittelbar am Boot – befinden. Vorsichtig mit geringer Geschwindigkeit (ohne Heckwelle) weiterfahren und Fahrtrichtung beibehalten. Den Walen oder Delfinen nicht den Weg abschneiden, die Gruppe nicht durchfahren und sich nicht mehr als 100 Meter (300 Meter, wenn weitere Boote präsent sind) nähern. Grundsätzlich gilt: Die Tiere entscheiden selbst über Nähe oder Abstand zum Boot.

Abstimmung mit anderen Booten
Befinden sich mehre Boote in der Nähe der Wale oder Delfine, ist über Funk die weitere Vorgehensweise zu koordinieren. Hinweis, den Tieren nicht zu nahe zu kommen und darauf zu achten, dass die Tiere von den sie umgebenden Booten nicht eingekesselt werden. Bei Sichtung eines ­verletzten oder in Netzen verfangenen Wals oder Delfins ist eine umgehende Meldung an die Behörden vor Ort Pflicht. Aufenthaltsdauer in der Nähe der Wale oder Del­­fine auf 15–30 Minuten beschränken, Tiere nicht berühren und nicht füttern! Lärmverschmutzung bedroht den Lebens­­raum von Walen und Delfinen zusätzlich – daher sind gerade in der Nähe der Tiere sämtliche Echo-Ortungsgeräte zu deaktivieren.

Der Umwelt zuliebe
Müll im Meer stellt eine große Gefahr für Wale und Delfine dar. Schon heute gehört das Mittelmeer zu der am meisten mit Abfällen belasteten Meeresregion der Welt. Helfen Sie, Ihre Umwelt sauber zu halten und werfen Sie keine Dosen, Zigarettenstummel oder anderen (Plastik-)Müll ins Meer.

www.whales.org

Illustrationen: Lucy Molleson
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