Weihnacht unter Wasser

Festlich geschmückte Weihnachtsbäume zieren Plätze und Auslagen, bald schon unsere Häuser und Wohnungen. Sogar unter Wasser ist der eine oder andere Weihnachtsbaum zu finden. Es gehört zur Tradition von Tauchclubs, Wasserrettung und Feuerwehren, dieses Symbol christlicher Festtage in heimischen Seen zu versenken und an geeigneter Stelle aufzustellen. Oder es werden zuvor versenkte und geschmückte Christbäume hochgetaucht. Die Idee dahinter ist der Dank an den „Gott des Meeres“ für ein tauchunfallfreies Jahr bzw. ein Gedenken an die im Wasser tödlich verunglückten Menschen. Neben diesen zeremoniell versenkten Christbäumen gibt es aber auch etwas, das auf natür­­liche Art auf dem Meeresgrund wächst und dessen Schönheit mit den prächtigsten Christbäumen an Land konkurrieren kann.
Christmas Tree Worm – der englische Trivialname sagt schon alles. Den Begriff „Wurm“ werden die meisten Menschen mit etwas ­Unscheinbarem in Verbindung bringen – das genaue Gegenteil von einem prächtigen Christbaum! Aber dieser Wurm hat es in sich: Er besitzt eine doppelte spiralförmige Fiederkrone, deren Färbung extrem variabel ist. Es kommen sowohl einfarbige als auch bunt gemusterte Tiere direkt nebeneinander vor. Die spiralförmige Tentakelkrone dient zum Fang von Plankton und Kleinpar­tikeln, von denen sich der Wurm ernährt.
Aber das ist noch nicht alles, dieser „Christbaum“ ist versenkbar. Bei unvorsichtiger Annäherung zieht sich der Wurm blitzschnell zurück, die Fiederkrone verschwindet in einer Kalkröhre, und diese wird mit einem genau passenden Deckel, dem Operculum, verschlossen. Als Taucher braucht man nur etwas Geduld, dann kann man beobachten, wie sich der Deckel nach kurzer Zeit hebt und sich der wunderbare „Christbaum“ wieder zu voller Pracht entfaltet. Jeder, der in tropischen Korallenriffen schnorchelt oder taucht, hat beste Chancen, dieses Schauspiel zu beobachten, denn der Christmas Tree Worm (Spirobranchus giganteus) ist weltweit verbreitet.
Als Vergleichsobjekt zu Weihnachtssternen bieten sich natürlich Seesterne an. Der kleine Seestern Fromia nodosa fällt weniger durch seine Größe als vielmehr durch knallige Farben auf. Auf dem Foto oben ist er in einem Korallenriff zwischen kleinen, sackförmigen Manteltieren der Art Didemnum molle unterwegs.
Der Walzen-Seestern Choriaster granulatus wirkt mit seinen abgerundeten Armen und seiner dezenten Farbe wie ein Weihnachtsstern aus Marzipan. Er harmoniert perfekt mit dem prächtigen Riff am Außenhang einer Malediveninsel.

So prächtig schmückt sich das Meer – den gesamten Bericht unseres Meeresbiologen Dr. Reinhard Kikinger lesen Sie in der ocean7-Ausgabe 6/2018 – Print-Ausgabe noch bis 24. Dezember im Abo, im ausgesuchten Einzelhandel und auf Bestellung in jeder Trafik erhältlich, danach als E-Paper für alle Geräte.

Dr. Reinhard Kikinger ist Meeresbiologe und Lektor an der Universität Wien. Er leitete jahrelang das Öko-Zentrum auf Kuramathi zur Erforschung und Schutz des Ökosystems der Malediven und berichtet für ocean7 seit 2008 publikumsnah, aber wissenschaftlich fundiert und mit faszinierenden Fotos regelmäßig über die Welt unter Wasser.

 

 

 

 

Fotos: Reinhard Kikinger, Gernot Weiler
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