Die Sommerferien stehen vor der Tür und damit auch die lang ersehnte Gelegenheit zur Ausübung von Wassersport aller Art. Sonne, Meer, Wind und Strand erfreuen Körper und Geist, das Eintauchen in die warmen Fluten des Meeres vermittelt Freiheit und Schwerelosigkeit. Wenn wir Pech haben, gehören aber auch andere Empfindungen dazu, nämlich plötz­licher und brennender Schmerz … wir sind mit einer Qualle in Berührung gekommen. Das kann eine eher harmlose Nesselung oder lebensbedrohlich sein. 

Wer jemals schlechte Erfahrungen mit den Nesseltieren gemacht hat, wird um jede Qualle, oder was dafür gehalten wird, einen weiten Bogen machen. Aber nicht alles, was einer Qualle ähnlich sieht, ist auch eine. Und nicht alle Quallenarten sind gefährlich.

Die Spiegeleiqualle Cotylorhiza tuberculata ist in ruhigem Wasser oft direkt an der Wasseroberfläche anzutreffen. Sie ist im Mittelmeer die häufigste Wurzelmundqualle.

Von den harmlosen Wurzelmund­quallen sind die Spiegelei-Qualle Cotylorhiza tuberculata, die Lungen-Qualle Rhizostoma pulmo und die aus den Tropen eingewanderte Sternhimmel-Qualle Phyllorhiza punctata am häufigsten im Mittelmeer anzutreffen.
Lokal kann auch eine Fahnenqualle, die milchig-weiße Ohrenqualle Aurelia aurita massenhaft auftreten. Auch sie nesselt nur ganz schwach. Dagegen ist ihre stark nesselnde Verwandte, die blass-rötlich gefärbte Leuchtqualle Pelagia noctiluca, für die meisten Nesselungen im Mittelmeer verantwortlich. 
Auch die Portugiesische Galeere Physalia physalis tritt lokal gelegentlich massenhaft auf und ist dann wegen ihrer starken Nesselkraft ein ernstes Problem für Tourismus und Fischereiwirtschaft.

Die Lungen-Qualle Rhizostoma pulmo ist im Mittelmeer häufig anzutreffen und pulsiert kontinuierlich mit ihrem großen Schirm. Ihre bevorzugte Schwimmlage ist mit horizontaler Körperachse. Achtung: Auch harmlose Quallen scheiden bei Berührung Nesselkapseln mit ihrem Mucus ab. Wenn der auf den Fingern haftet und wir damit Gesicht, Augen oder andere empfindliche Stellen berühren, kann das zu Reizungen führen. Daher auch harmlose Quallen nicht anfassen. 
Cyanea capillata ist in kalten und gemäßigten Zonen verbreitet und kann Schirmdurchmesser von über einen Meter erreichen. Die zahlreichen Tentakel werden bis 30 Meter lang und sind sehr stark nesselnd. Ihr deutscher Name ist Feuer- oder Haarqualle, „Lion‘s mane“ ist ihre englische Bezeichnung. Der Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle beschreibt in einem seiner Sherlock-Holmes-Romane den Tod eines Schwimmers durch den Kontakt mit der „Lion‘s mane“.

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Fotos: Dr. Reinhard Kikinger, Shutterstock

Dr. Reinhard Kikinger ist Meeresbiologe und langjähriger Kursleiter an der Universität Wien, an Feldstationen im Mittelmeer und auf den Malediven.

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