Wildes Mittelmeer | ocean7

Von Quallen über Schildkröten und Delfine bis zu Mönchsrobben: Der unmittelbare Kontakt zu Meeres­­bewohnern zählt zu den Highlights jedes Segeltörns. Unser Mittelmeerexperte Markus Silbergasser hat im Logbuch geblättert und berichtet über seine bemerkenswertesten tierischen Begegnungen in den letzten Jahren.

Segeln ist ja immer auch ein Leben in und mit der Natur. Sehr selten gehören die unmittelbaren Kontakte mit ihr zu den eher un­angenehmen Vorfällen, oft aber zu den außerordentlich schönen und interessanten und auf jeden Fall immer eindrucksvollsten Erlebnissen während eines Törns. Als ich im letzten Jahr eine Geschichte über die kleineren und größeren Malheurs während meiner Reisen auf unserer Nambawan geschrieben habe (siehe ocean7 3/2022), wollte ich ursprünglich auch über spannende Kontakte mit Meeresbewohnern berichten. „Toller Artikel“, meinte die Redaktion, „aber viel zu lang! Könntest du die tierischen Erlebnisse nicht streichen und da­raus für eine spätere Aus­gabe einen eigenen großen Bericht machen?“ Gesagt, getan – hier also meine beeindruckendsten Begegnungen mit dem Tierreich während der letzten Jahre. 

Mönchsrobben
Gleich am Anfang ein Erlebnis, um das mich einige Segler wohl beneiden werden. Oft hatte ich schon in Reise- oder Revierführern von abgelegenen Buchten mit schwer zugänglichen Höhlen bzw. Grotten gelesen, in denen noch Mönchsrobben in freier Wildbahn leben. Mit geschätzten 350 bis 450 geschlechtsreifen Individuen gehören sie mittlerweile zu den seltensten Säugetieren Europas. Jahrelang ­hatte ich nach ihnen Ausschau gehalten, leider immer ohne Erfolg.
Letzten Sommer war es dann aber endlich soweit: Auf dem Weg von Athen zu den nördlichen Sporaden entdeckten wir während der Insel­erkundung von Lichadonisia zufällig Mönchsrobben. 

Auf Lichadonisia im Nordwesten von Euböa sind die seltenen Mönchsrobben noch in freier Wildbahn zu beobachten.

Lichadonisia liegt im Nordwesten von Euböa und ist noch ein verstecktes Paradies – man nennt es unter ­Insidern auch „die kleinen Seychellen Griechenlands“. Fasziniert haben wir die Tiere von Ankerplatz und Dingi aus stundenlang beobachtet. Dabei sollte man sich den Tieren vorsichtig nähern und mindestens 30 Meter ­Abstand zu ihnen einhalten und keinen Lärm ­verursachen. Die Robben bitte auch nicht füttern, berühren oder mit ihnen schwimmen. 
Sogar nachts konnten wir die Meeressäuger von unseren Kojen aus am Ankerplatz beim Atmen hören. Ein faszinierendes Naturerlebnis!

Flamingos, sichtbar in Cagliari im Süden Sardiniens oder in Carloforte.

Flamingos
Flamingos mit ihrem rosafarbenen Gefieder und dem Habitus, auf ­einem Bein zu stehen und zu schlafen, faszinieren mich jedes Mal aufs Neue. Beeindruckend auch, wie hoch und weit sie fliegen können, dabei sind im Flug Hals und Füße ausgestreckt. 
Öfters schon habe ich Flamingos in Cagliari im Süden Sardiniens oder in Carloforte auf der Insel San Pedro gesichtet. Aber auch in Spanien im Naturschutzgebiet Cabo de Gata und sogar in Griechenland am Ambrakischen Golf haben wir welche gesehen.

Vor Anker bei den Damhirschen auf der Insel Moni im Saronischen Golf.

Markus Silbergasser hat einen Rundkopfdelfin befreit, eine Karettschildkröte gerettet und füttert regelmäßig Damhirsche auf der Insel Moni – all diese Geschichten sind in ocean7-Ausgabe 1/2023 nachzulesen: Print-Ausgabe erhältlich im Abo, im ausgesuchten Einzelhandel und auf Bestellung in jeder Trafik. Und für alle unterwegs gibt’s das E-Paper für alle Geräte.

Fotos: Monika Hierath, Markus Silbergasser www.untersegeln.eu, Ivan Canavera/Shutterstock

Diesen Artikel teilen