Zizoo zahlungsunfähig? | ocean7

7. Februar 2024. Wie uns Dr. Friedrich Schöchl von Yacht-Pool soeben gemeldet hat, ist die in Deutschland führende und international tätige Online-Charteragentur Zizoo pleite – eine hohe Summe an Kundengeldern dürfte wohl verloren sein. Hier sein Statement zu dieser Causa.

Illustration: Screenshot www.zizoo.com/de

Das Problem mit den Blendangeboten
Die Pleite war absehbar, aber man durfte darüber nicht schreiben, um später nicht als Ursache für die Pleite genannt zu werden. Jedenfalls zeigt sich, dass die „Marketingidee“, Dumping-Preise anzubieten, die nicht kostendeckend sind, letztlich dazu führen, was wir hier sehen – und in der Vergangenheit immer wieder gesehen haben.
Wir können unseren Kunden daher nur dringend raten, sich von zu großspuriger Werbung und einem vermeintlichen Angebot von 25.000 oder gar 40.000 Yachten nicht blenden zu lassen, mitunter über Briefkastenfirmen in Berlin. Leider sind da auch die jeweiligen Bewertungsportale keine wirkliche Hilfe. Die Bewertungen sind oft gut, bis das Kind in den Brunnen fällt – dann werden sie plötzlich schlecht.
Preise, die für dasselbe Schiff (und möglicherweise beim selben Vercharterer) deutlich unter dem allgemeinen Marktwert liegen, sind mit äußerster Vorsicht anzunehmen – wenn möglich nach Rückfrage beim Flottenbetreiber vor Ort. Es liegen uns nämlich auch ähnliche Fälle vor, in denen die Schiffe nicht gebucht waren und die Kunden günstigstenfalls die ganze Charter vor Ort noch einmal bezahlen mussten, ungünstigstenfalls lag das Schiff an der Kette (wir berichteten darüber im jüngsten Fall der Insolvenz von My Boat Rent). Die ersten Erfahrungen machten wir mit dem Billiganbieter BluBalu, bei dessen Pleite über 700 Kunden vorerst Ihre Geld verloren, aber glücklicherweise über Yacht-Pool versichert waren.

Kaufmännisches Unvermögen oder Kalkül?
Vorsicht ist auch geboten, wenn gerade das Schiff, das Sie haben möchten, eine Option zum Superpreis eingeräumt wird. Weil uns Fälle bekannt sind, wo in der bestehenden Datenbank auf genau diese Optionen zugegriffen wird.
Ein größeres Problem sind aber in all diesen Fällen die Investoren, denen von den Initiatoren traumhafte Gewinnchancen vorgespielt werden. Dass sie auf diesem Markt eine für Insider oft so unverständlichen Optimismus an den Tag legen, hat nicht unbedingt mit betriebswirtschaftlicher Naivität zu tun. Sondern weil es eben um so Traumhaftes wie Segeln und Yachten geht, das kaufmännische Denken gerät da leicht in den Hintergrund.
Ein weiteres Problem dabei ist aber auch, dass aufgrund solcher Misswirtschaft solide arbeitende Firmen, die ihre laufenden Kosten durch tägliche Einnahmen finanzieren müssen, ebenfalls in Bedrängnis geraten. Das könnte zwar theoretisch auch eine Strategie der Initiatoren sein. Dieser Markt tickt aber anders, wie die Zizoo-Pleite zeigt.
Geschäfte, in denen Soll und Haben auf Dauer nicht übereinstimmen, schaden immer allen. Wie in diesem Fall sowohl den Charterkunden als auch den Mitarbeitern der Agentur und letztlich auch den Flottenbetreibern selbst, die unter dem Image-Schaden der Branche leiden.

Dr. Friedrich Schöchl, Gründer von Yacht-Pool


Insolvenz Zizooboats GmbH
Insolvenzverfahren gegen Zizoo Berlin eingeleitet durch: Amtsgericht Charlottenburg
Aktenzeichen: 36z IE 813/24
Insolvenzverwalter: Rechtsanwalt Dr. Philipp Grauer



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