Während des Südwestmonsuns sind die netten Ankerplätze in Wolfgang Hausners Revier dem auflandigen Wind ausgesetzt und Taifune schrauben sich häufiger als üblich durch die Inselwelt. Auch braucht Taboo III, ein 18-Meter-Katamaran, jährlich etwas Zuwendung, 40 Jahre gehen nicht spurlos an einem Holzboot vorbei.  Also war es wieder einmal an der Zeit, nach Tambobo Bay auf Negros zu segeln.

Die äußere Tambobo Bay.

Aber das Ambiente war dieses Mal nicht daselbe. Mein langjähriger Wiener Freund Karl, 78, vor dessen großem Grundstück ich immer liege, starb an Lungenkrebs einige Monate vorher. Ursprünglich segelte er mit seinem Katamaran von England zu den Philippinen, ehe er das Boot verkaufte, um an Land zu ­leben. Er hatte nie geraucht, aß ­immer gesund und trank keinen Al­kohol. Hatte allerdings ein Reinigungsunternehmen für viele Jahre in Wien besessen und die giftigen Dämpfe könnten vielleicht eine Langzeitwirkung ausgeübt haben.




Karl hatte nie geraucht, aß immer gesund und trank keinen Alkohol – er starb an Lungenkrebs.

Die Bucht von Tambobo war schon immer ein beliebter Treffpunkt für Yachties, viele kommen und bleiben erst einmal da, was manchmal in die Jahre gehen kann. Andere bauen ihre Boote hier und basteln dann ewig weiter. So wie der Engländer Mark im Rasta-Look und jenseits der 50 hatte er vor längerer Zeit einen Gaffelkutter vom Belgier Erik gekauft. Aber je mehr sich Mark in die Tiefe des Schiffes wühlte und mit faulem Holz um sich warf, desto mehr Schäden ­kamen zum Vorschein. Außerdem hatte Erik einen kleinen Vorfall verschwiegen – sicherlich unabsichtlich. Im Jahr davor segelte er seinen Eigenbau nach der Touristeninsel Boracay, um dort über die Weihnachtsfeiertage die Puppen tanzen zu lassen. Erik geriet in den ­Außenbereich eines Taifuns und wurde kurzerhand auf den Strand einer der Cuyo-Inseln geworfen. Er konnte von Glück reden, nur ei­nen Streifschuss abbekommen zu haben. Egal wie, er hinkte zurück nach Tambobo, reparierte das Holzboot so gut es ging, aber ab dann wollte er verkaufen.

Marks Boot kurz vor dem Stapellauf, daneben wird an einem Fischerboot gearbeitetet. Rechts: Wolfgang Hausners Taboo III.

Mark fand sich mit weniger als ­einem brauchbaren Viertel der angeknackten Yacht wieder und baute für die nächsten zehn Jahre um diesen kläglichen Rest das Schiff wieder auf. Nach der ersten Fahrt stellte sich heraus, dass der Gaffelkutter übermäßig krängte. Kein Problem, Mark zog sein Schiff an Land und versetzte den Bleiballast um 13 Zoll weiter nach unten.

Das liest sich so locker, dauerte aber in Wirklichkeit über ein Jahr. Jetzt hätte er im Wasser sein sollen, verkalkulierte sich aber mit dem Tidenhub und muss erst einmal etwas warten, was aber keine große Rolle spielt. Mark hatte die Jahre seines Bootsbaues praktisch am Hungertuch genagt und musste immer wieder nach Hongkong, um dort zu jobben. Jetzt nicht mehr, nachdem er eine Erbschaft gemacht hatte. Aber gerade noch, denn sein Bruder in England hatte das Testament der Mutter gefälscht und sich zum Alleinerben ernannt. Das kam auf, wurde berichtigt, und Mark war zum ersten Mal in seinem Leben ­finanziell unabhängig. Ein paar Wochen später war es dann soweit: Mark rollte in einer beeindruckenden Aktion sein Schiff über Planken und runde Palmenstämme wieder ins Wasser.




Mark hatte die zehn Jahre seines Bootsbaus praktisch
am Hungertuch genagt – bis er ein Erbe machte.

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Geboren 1940 in Wien, verließ Wolfgang Hausner im Alter von 21 Jahren Österreich. In Australien arbeitete er unter anderem als Krokodiljäger, Langustenfänger und im Goldbergwerk, um sein erstes Boot zu finanzieren. Ohne vorherige Segelerfahrung und alleine suchte er die Freiheit auf den Weltmeeren und fand ein abenteuerliches Leben, von dem er bis zum heutigen Tage nicht mehr loskam. Mit dem knapp zehn Meter langen Katamaran Taboo segelte er 50.000 Seemeilen um die Welt. Auf seinem aktuellen 18-Meter-Kat Taboo III bietet er exklusive Mitsegelgelegenheiten an.

www.wolfgang-hausner.com

Einfahrt in die Tambobo Bay.

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