Historisches EM Gold | ocean7

Lisa Berger und Christian Kargl sind die ersten EUROSAF Mixed Offshore Europameister in der neuen Olympiadisziplin für 2024.

Es war sozusagen eine Jungfernfahrt ins sportliche Glück: Das kurzfristig und für die EUROSAF Mixed Offshore Europeans neu formierte Team Berger/Kargl kam, stieg aufs Boot und siegte nach 36,5 Stunden oder rund 180 Seemeilen. Die Erstauflage einer kontinentalen Meisterschaft wurde auf der – ebenfalls noch sehr jungen – L30-Klasse ausgetragen. L für Luka, basierend auf Rodion Luka, dem zweifachen Olympiamedaillengewinner und Volvo Ocean Racer Steuermann aus der Ukraine. 30 natürlich für die Anzahl der gebauten Füße. Sieben Teams nahmen das Abenteuer in Angriff, mit dabei auch zwei nicht-europäische Teams und Spitzenseglerinnen und Segler aus allen Bereichen des Sports.

Die Vorbereitung war dann fast zur Gänze dem Premierencharakter geschuldet, die Teams waren intensiv in die Fertigstellung der Yachten involviert. Mangels Windes und den zahllosen nötigen Kleinigkeiten entfiel das geplante Training am Vortag des Startes. Dieser wurde dann aber umso ausgiebiger zelebriert, mit einem inoffiziellen „Inport-Race“ vor dem Markusplatz (Ocean7 hat berichtet) ging es in Richtung Hafenausfahrt von Venedig. Dort fiel am Mittwoch um 13:30h der Startschuss zur historischen EM. 

Fotocredits. Barcolana/Demis Albertacci, EUROSAF/regnemer, privat

Schon beim Start in Venedig orientierten sich Berger/Kargl in Lee, also in Richtung Süden. 

Gleich zu Beginn teilte sich das Feld. Während das Hauptfeld den direkteren Weg zur 100 Seemeilen entfernten Bahnmarke, der kroatischen Insel Susak nahm, segelten Berger und Kargl gemeinsam mit den Belgiern weiter südlich. Ein Umweg in Richtung des angesagten Südwindes. Der kam dann in der ersten Nacht mit gut 30 Knoten. „Da war die Piste ganz schön ruppig“, kommentierte Berger den Ritt mit der Luca30, die Wasser schöpfte, nicht ganz dicht war,… und sich in den adriatypischen Wellen bei diesen Wetterverhältnissen als äußerst giftig erwies.

Bei der ersten Wendemarke Susak war das österreichische Duo bereits voran. „Ich glaube wir sind zweite“, ließ Christian Kargl über Facebook wissen, „wir haben fast kein Internet und das Tracking lädt nicht!“ Der Wind ließ dann aber nach, und drehte nach Nord. Bei 3 bis 7 Knoten Wind ging es eher mühsam weiter.

Die Franzosen, Australier und Belgier kamen auf und die Führung wechselte zwischendurch einige Male. Während die anderen ihr Glück etwas westlicher suchten, hielten die Österreicher ihren Bug etwas weiter in den Kvarner und konnten hier einen Vorsprung von ein bis zwei Meilen heraussegeln, den sie in der Folge verteidigen konnten.

Nach der Passage von Umag und dem Leuchtfeuer Savudria ging es weiter nach Piran und Izola, dem Trainingsrevier vieler Österreicher, in dem sich Kargl praktisch zu Hause fühlt. „Da kann fast nichts mehr passieren“, dachte er laut über die letzten 15 Meilen.

Bora mit Spitzen bis zu 40 Knoten zeigte den Teams, dass es auch in Landnähe richtig windig werden kann. Berger und Kargel bargen das Großsegel und segelten nur mehr mit der Fock. „Das hat vollkommen gereicht!“, waren sich beide einig. Am Freitag, 11.10. kamen die beiden nach etwa 170 Meilen und 36 Stunden 30 Minuten um 2 Uhr früh ins Ziel – und sicherten Österreich damit die erste Goldmedaille in der völlig neuen, olympischen Disziplin. „Wir bedanken und bei allen, die uns unterstützt haben. Sei es direkt, oder sei es über Facebook und co. Ihr habt uns weitergetragen und gepuscht. Es ist etwas ganz besonderes, als Österreicher gegen Volvo-Ocean-Segler und Olympiasieger zu matchen. Nun haben wir den Titel für Österreich geholt. Wir sind super super glücklich“, waren sich Berger und Kargl zurück an Land völlig einig.

Lisa Berger am Steuer, Christian Kargl hinter der Kamera. So geht moderne On-Boardberichterstattung heute. 

Diesen Artikel teilen