Vor 30 Jahren beschlossen zwölf Seefrauen, die Seemännerwelt auf den Kopf zu stellen. An vorderster Front: Skipperin Tracy Edwards.
Text: Alexandra Schöler

Die ehemalige Schiffsköchin Tracy Edwards hing nach der Teilnahme am Whitbread Round the World Race 1985/86 den Kochlöffel an den ­Nagel und beschloss, als Skipperin mit dem von ihr erworbenen „Wrack mit Stammbaum“ und mit ausschließlich weiblicher Crew 1989/90 an der Regatta ­teilzunehmen.

Das Schiff, die Maiden, hatte sie bei ihrem ersten noch kulinarischen Race bei Kap Hoorn segeln gesehen und mit dem Skipper per funk geplaudert. Dass sie nur we­nige Jahre später dieses Schiff mit dem besten Ergebnis seit 17 Jahren für England über die Ziellinie segeln würde, wäre ihr wohl nicht im Traum eingefallen. Oder doch?
Gut möglich. Tracy‘s Willen und Energie waren wohl ausschlaggebend, dass es überhaupt zum Rennen kam. Sie nahm eine Hypothek auf ihr Haus auf, denn Sponsoren waren kaum zu finden. Potenzielle Geldgeber rechneten bei einer Frauencrew mit wenig Erfolg und negativen Berichterstattungen. Man war überzeugt, das das weib­liche Geschlecht einfach nicht über die Kraft und Ausdauer ver­füge, so ein Rennen zu bestreiten.

Heute heißt das Rennen The Ocean Race und findet alle drei Jahre statt. Einmal um die ganze Welt. Europa, Atlantik, rund ­Afrika (1. Kap), indischer Ozean über Südpazifik (2. Kap) nach Süd- und Nordamerika.
Wikipedia sagt: Aufgrund der Wind- und Wetterverhältnisse, vor allem im Südpazifik (Wellenhöhen von 30 m und Windgeschwindigkeiten von 110 km/h), gilt die ­Regatta als eine der härtesten He­rausforderungen im Segelsport.
Tracy und ihre Frauen konnte das nicht abschrecken. Sie absolvierten die Etappen großartig – ­unter dem Schutz ihrer Patin, der Dutchess of York, die den Damen finanziell unter die Arme griff.

Erspart blieb ihnen so wie den Männercrews nichts. Eisberge, ­extreme Minustemperaturen, Frostbeulen, kein Satellitensignal für neun Tage, schwerer Sturm bei Kap Hoorn, ein Tornado auf der ­finalen Etappe und kein Essen an den letzen fünf Tagen. Statt zerlottert, versalzen und mit Augenringen die Härten des Segelsports zu demonstrieren, packten sie für die Zieleinfahrt ihre Badeanzüge aus und schenkten der Segelwelt eines der coolsten Fotos ever.
Bis heute sind die zwölf ungeschlagen. Tracy Edwards hat nach 30 Jahren ihre Maiden aus dem Dornröschenschlaf erweckt und segelt nun um die Welt, um für Frauenförderungsprojekte in Entwicklungsländern zu werben.

Wer Denkt, wer lenkt? Tja, wenn ich so an unseren ver­­gangenen Kroatien-Törn denke, wäre es vielleicht angebracht, dass mehr Frauen das Steuer übernehmen. Uns begegneten beim Segeln unter Vollzeug im seichten Meer vor ­Lignano Skipper, die direkt vor uns wendeten und den Anker versenkten. Oder mitten im Bojenfeld ankerten – nach mehreren Anläufen. Oder ein Charterkapitän, der den Autopiloten mit vier handyfixierten Kindern im Cockpit allein ließ. Vielleicht ist es ja Zufall, dass da immer Männer am Steuer waren? Fair Winds!

Ab 21. August läuft mit „Maiden“ ein Dokumentarfilm von Alex Holmes über Tracy Edwards und ihre Crew in den österreichischen Kinoas an, ocean7 verlost 5x 2 Eintrittskarten für die erste Spielwoche! Mehr über den Film inkl. Trailer und Link zum Gewinnspiel hier

Fotos: Polyfim Verleih.
Alexandra Schöler ist Ocean Woman, seit 2010 bringt sie in ihrer Kolumne unsere Leserinnen, aber auch Leser zum Nachdenken und Schmunzeln.

Diesen Artikel teilen