Luna Rossa Prada Pirelli führt INEOS Team UK weiter vor, stellt nach zwei Wettfahrttagen zum Prada Cup Finale auf 4:0. COVID stoppt vorerst die für Mittwoch geplante Fortsetzung.

Eine Wetterfront war in Richtung Auckland im Anmarsch, für die beiden Finalisten des Prada Cups bedeutete dies wechselhafte Bedingungen bei 15 Knoten Wind, eventuell ein wenig mehr. Eigentlich und aufgrund der Erfahrungen der Vorrunde klassische “Ainslie-Bedingungen”. So ging es auch in das erste Startduell: selbstbewusste Briten versuchten aus einer guten Position heraus eine Minute vor dem Start zu attackieren, blieben dabei halbherzig und verpassten das Timing in Richtung Startlinie. Luna Rossa vertraute auf ihre bis dato nahezu perfekten Einschätzungen von Zeit und Entfernung, legte einen Nullstart hin, während INEOS rund drei Bootslängen dahinter schon zum blinden Angreifen verdammt war. Im Fernsehbild nur leidlich zu erahnen, aber nichts desto trotz eigentlich unfassbar: echte Match Race Manöver mit ein bis drei Bootslängen Abstand bei rund 70 km/h – eindrucksvoll. Und wohl auch grenzwertig.

“Cover the right side”
Das Motto des restlichen Rennens war einfach, wurde vom italienischen Team-Bordfunk mantraartig beschworen: “Aufpassen! Wir sichern die rechte Kursseite ab.” In bester, klassischer Match Race Manier spulten die Italiener Runde um Runde ab, der Vorsprung pendelte zwischen neun und elf Sekunden. Im Gegensatz zum wohl spannendsten Rennen der Vorrunde zwischen ebendiesen beiden Teams (die Führung wechselte neun Mal!), kamen die Briten nie wirklich gefährlich an Spithill, Bruni und Co heran. Im Ziel waren es dann dreizehn Sekunden oder rund 180m. Luna Rossa Steuermann Francesco Bruni resümierte zufrieden: “Wir haben das erste echte Match Race über die gesamte Distanz abgeliefert. Die Intensität der Manöver hat es bis dato noch nicht gegeben. Wir sind natürlich mit dem Ergebnis hoch zufrieden.”

Ein Bild, symbolhaft für das ganze Rennwochenende: Prada vorne, INEOS in Schlagdistanz, aber letztendlich chancenlos, dahinter.

Pannenserie
Ainslie kündigte für das zweite Race des Tages schon für den Start einen Generalangriff an, diesen musste er jedoch noch abblasen, bevor er richtig begonnen hatte. Wieder bei rund 60 Sekunden vor dem Start, in deutlich besserer Position, setzte INEOS Team UK zu einem (möglichen?) Dial-Up an, ein Fehler beim Wing-Trimm ließ die Briten jedoch einzig spektakulär aus dem Wasser schießen. Und ins Wasser platschen. Eine kurze Schrecksekunde, eine vermeintlich aussichtslose Position – aber Ainslie wäre nicht Ainslie mit fünf Olympischen Medaillen zu Hause. Zumindest die restlichen 45 Sekunden zeigten die Engländer, was in ihnen steckt. Luna Rossa fällt ab, ob aus Timing oder um INEOS besser zu covern – wer weiß. Die Briten wenden, machen den Split und sehen sich beim Start am Weg auf die bis dato immer bessere rechte Seite und annähernd gleich auf. Doch wieder reicht es knapp nicht, die Engländer mit Vorrang müssen hinter den Italienern durch und das Spiel beginnt von vorne. Wende auf Wende und Halse auf Halse. Dann, ein weiterer Fehler. Die englische Afterguard ist unachtsam, sie kommen über die (virtuelle) Grenze des Kurses hinaus. Konsequenz: Ein Penalty. Dies brachte die Italiener in die Komfortzone, der Vorsprung wuchs, an der Konsequenz in der Kontrolle des Gegners änderte dies freilich nichts. Vierzig Sekunden waren es am Ende, das erste Finalwochenende brachte 4 Punkte bei Luna Rossa Prada Pirelli und 0 Punkte bei INEOS Team UK.

Auf Augenhöhe, ohne Chance
Sir Ben Ainslie sah in der abschließenden Pressekonferenz beide Teams prinzipiell auf Augenhöhe, zollt den Italienern nach den vier Niederlagen jedoch vollsten Respekt: “Sie segelten heute einfach unglaublich, machten keine Fehler. Wir müssen in der Vorstartphase besser werden, dort haben wir heute beide Rennen verloren.”
COVID-bedingt wurden die für Mittwoch, 17. Februar geplanten Wettfahrten verschoben, das America’s Cup Village bleibt für Besucherinnen und Besucher geschlossen. Nach heutigem Stand soll es am nächsten Freitag weitergehen.

Fotocredit: America’s Cup

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