Schnorcheln | ocean7

Skipper überzeugen sich im Zweifelsfall gerne durch einen Blick unter Wasser, ob der Anker richtig greift. Urlauber genießen es, schwerelos an der Wasseroberfläche zu treiben und den Blick in die Tiefe schweifen zu lassen. In wissenschaftlichen Feldstudien ist es manchmal methodisch besser, an der Wasseroberfläche zu verweilen, anstatt mit voller Tauchausrüstung zu arbeiten. Alle diese unterschiedlichen Aufgaben und Anforderungen erfüllt das Schnorcheln bestens.  

Schnorcheln können schon kleine Kinder lernen, vorausgesetzt sie haben Spaß daran. Die entsprechende Sicherheitsausrüstung wie Schwimmhilfe, Sicherheitsleine, Sonnenschutz sowie ständige Beaufsichtigung minimieren das Risiko.

Welche Ausrüstung benötigen wir? 
Namensgebend für diesen Sport ist der Schnorchel. Er ist nichts anderes als ein gebogenes Atemrohr. Sein Vorteil: durch die Verwendung des Schnorchels muss der Kopf zum Atem holen nicht über Wasser gehoben werden. Das spart Kraft und Energie. Damit wir unter Wasser scharf sehen, brauchen wir eine Tauchmaske. Sie umschließt Augen und Nase und ermöglicht den ungetrübten Blick in Poseidon’s Reich. Als Antrieb dienen die Flossen. Durch Flossenschlag kommt der Schnorchler rasch voran und kann weite Strecken zurücklegen. Diese einfache Grundausrüstung Maske – Schnorchel – Flossen wird auch ABC-Ausrüstung genannt.

„Schnorcheln kann doch jeder! Diese weit verbreitete Fehleinschätzung führt zu Unfällen und Umweltzerstörung. Wie jede andere Sportart will auch Schnorcheln erlernt und geübt werden.“ 

Kann jeder, der schwimmen kann, auch schnorcheln? 
Die weit verbreitete Meinung ist „Ja“. Die Erfahrung zeigt, „Nein“! Nehmen wir als Beispiel andere Sportarten, etwa Tennis. Kann jeder Tennis spielen? Irgendwann wird jeder mal einen Tennisball zufällig so treffen, dass der Ball über das Netz fliegt. Kann diese Person deswegen Tennis spielen? Beispiel Schi fahren: fast jeder wird in der Lage sein, den Babyhang so herunterzukugeln, dass er schließlich unten ankommt. Kann er deswegen Schi fahren? Genauso verhält es sich mit dem Schnorcheln. Jeder Schwimmer wird es schaffen, sich auch mit Maske, Schnorchel und Flossen über Wasser zu halten. Schnorcheln kann er deswegen aber noch lange nicht. Die erste größere Welle, stärkere Strömung, beschlagene oder vollgelaufene Maske reicht oft aus, um den vermeintlich guten Schnorchler in größte Schwierigkeiten zu bringen. Ganz zu schweigen von den Schäden, die hilflos stramplende Schnorchler an der empfindlichen Meeresfauna anrichten, indem sie auf ihr stehen oder sie mit den Flossen prügeln. Fazit: Auch Schnorcheln will gelernt sein!

In Harmonie mit dem Medium Wasser – so gleitet die Schnorchlerin im Bild rechts lautlos dahin. Diese einfache Technik ist leicht erlernbar. Schnorcheln ist vergnüglich und nützlich zugleich, ermöglicht kontemplative Entspannung und genaue Beobachtung der Unterwasserwelt.

Worauf es ankommt 
Die Fähigkeit an der Wasseroberfläche zu schweben ist die wichtigste Voraussetzung. Nicht alle schaffen das auf Anhieb. Viele sind verkrampft, atmen viel zu schnell und die Beine sinken ab. Die perfekte Schnorchellage ist aber waagrecht an der Wasseroberfläche schwebend, nicht senkrecht im Wasser hängend. Ist das Schweben geschafft, wollen wir auch vorankommen. Da helfen die Flossen, aber nur dann, wenn sie auch richtig verwendet werden. Ein häufiger Fehler ist das sogenannte „Radfahren“. Diese Tretbewegungen sind ermüdend, bringen uns aber nicht vorwärts. Der richtige Flossenschlag erfolgt aus der Hüfte und dem Kniegelenk. Die Arme sind am Körper angelegt oder vorgestreckt, Armtempi sind nicht erforderlich. Ruhiges Atmen, entspannte Körperhaltung und effi­zienter Flossenschlag sind die Grundelemente des genussvollen und sicheren Schnorchelns.

Submarine Tunnel zu durchtauchen oder in Grotten vorzudringen erfordert ausgezeichnete Schnorchel- und Freitauch-Fähigkeiten. Speziell beim Auftauchen ist Vorsicht angebracht, denn Fels ist härter als der Kopf. Freitauchen ist die natürliche Ergänzung zum Schnorcheln. Wir stoßen damit von der Oberfläche mit dem Luftvorrat unserer Lunge in den dreidimensionalen Raum der Tiefe vor.
Entspannt an der Meeresoberfläche treiben und die darunter liegende Wunderwelt betrachten, das ist Vergnügen pur (Pracht-Anemonen, Heteractis magnifica und Haarstern, Comanthus benetti).

Abtauchen 
Irgendwann entsteht der Wunsch, auch einmal zum Meeresgrund hinunterzutauchen. Auch dabei macht Übung den Meister. Die Bewegungsabfolge ist: an der Wasseroberfläche schweben und einige Male ruhig durchatmen, einatmen, Oberkörper senkrecht nach unten kippen und Beine nach oben heben, einen kräftigen Armzug machen, nun sind auch die Flossen unter Wasser und helfen uns beim Abtauchen. Mit zunehmender Tiefe steigt der Wasserdruck, der auf unserem Körper lastet. Vor allem das Trommelfell der Ohren und die Nebenhöhlen im Kopf bekommen das zu spüren. Daher ist es wichtig, einen inneren Gegendruck aufzubauen. Das erfolgt durch den sogenannten Druckausgleich, der während des Abtauchens regelmäßig zu machen ist. Ähnlich wie bei einer Autofahrt in den Bergen kann das durch Schlucken geschehen. Funktioniert das nicht, hält man mit Daumen und Zeigefinger die Nase zu und bläst leicht in die zugeklemmte Nase. Nur wenn der Druckausgleich funktioniert, kann der Vortstoß in die Tiefe erfolgen. Bei schmerzenden Ohren oder stechenden Nebenhöhlen keinesfalls tiefer tauchen. Beim Auftauchen die Wasseroberfläche im Auge behalten, sonst rammt man unter Umständen den nächsten Schnorchler oder schlimmer, einen Felsüberhang. Nachdem der Schnorchel beim Abtauchen mit Wasser voll gelaufen ist, muss er an der Oberfläche ausgeblasen werden. Dazu reicht ein kräftiger Atemstoß und schon kann durch den Schnorchel wieder eingeatmet werden.

Wer im Korallenriff geht oder steht, zerbricht die Korallen und hinterlässt starke Schäden. Gute Schnorchler und umweltbewusste Menschen vermeiden solche gedankenlosen Aktionen. Die weitverbreitete Einstellung „Schnorcheln kann sowieso jeder“ endet oft in chaotischen Aktionen wie auf dem rechten Foto. Die Flossen prügeln das Korallenriff, die Arme rudern wild durch das Wasser und schon ist wieder ein Stück Korallenriff zerstört. 
Die Rückkehr aus der Tiefe, der Oberfläche entgegen.

Einige Tipps
Beim Kauf der Ausrüstung ist gute Beratung wichtig, Tauchsport-Geschäfte tun das gerne. Die Tauchmaske muss perfekt passen, der Schnorchel soll ein bequemes Mundstück haben und die Flossen sind bezüglich Größe, Sitz und Härte genau zu prüfen. Ein häufiges Ärgernis ist, wenn das Glas der Tauchmaske beschlägt und dadurch die Sicht beeinträchtigt. Aber es gibt vielerlei Abhilfe, das Prinzip ist immer dasselbe. Man trägt den Wirkstoff auf die trockene Glas-Innenseite der Tauchmaske auf, verteilt ihn dort, lässt ihn eintrocknen und spült ihn vor dem Schnorchelgang gründlich ab. Als Wirkstoff gibt es spe­zielle Sprays, aber auch Zahnpasta oder Flüssig-Waschmittel wirken gut. Die klassische Methode ist Spucke und vorteilhafter weise hat sie jeder immer dabei. Die ersten Schnorchelgänge sollten im flachen und ruhigen Wasser erfolgen, idealerweise über Sandböden, wo man jederzeit stehen kann. Dort kann perfekt geübt werden, wie man eingedrungenes Wasser aus der Maske entfernt, den vollgelaufenen Schnorchel ausbläst und am effizientesten mit den Flossen vorankommt. Erst danach sollten Schnorchelgänge im tieferen Wasser und in fragilen Ökosystemen wie Korallenriffen erfolgen. Mit zunehmender Übung und Erfahrung werden alle Bewegungsabläufe automatisiert und das Schnorcheln wird zu einem ungetrübten Genuss. Ein letzter Tipp: den Sonnenschutz nicht vergessen. Nicht nur Nacken und Rücken, auch die Oberschenkel und Waden sind der Sonne ausgesetzt. In warmen Meeren empfehlen sich Tropen-Overalls, die sowohl vor Sonnenbrand als auch vor Nesselungen durch Plankton schützen. So ausgerüstet und vorbereitet steht dem ultimativen Schnorchel-Vergnügen nichts mehr im Wege. 

Von Dr. Reinhard Kikinger

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